Quo vadis rheumatology care in Germany? New figures on specialists as of 31.12.2024
Katinka Albrecht, Anja Strangfeld, Johanna Callhoff

TL;DR
This paper analyzes the current state of rheumatology care in Germany, highlighting a decline in younger specialists and increased part-time work.
Contribution
The study provides updated statistics on rheumatology specialists in Germany as of 2024, revealing workforce trends and capacity challenges.
Findings
The number of working rheumatologists under 60 years old decreased from 806 in 2020 to 775 in 2024.
Part-time employment among hospital rheumatologists increased from 25% to 39% between 2018 and 2023.
The aging workforce and low training rates threaten future rheumatology care capacity in Germany.
Abstract
Die Anzahl und der Arbeitsumfang der Fachärzt:innen (FÄ) für Rheumatologie sind für die Versorgung von Patient:innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen entscheidend. Wir berichten aktuelle Entwicklungen der FÄ-Zahlen bis 2024. Aus den Ärztestatistiken der Bundesärztekammer (BÄK), dem Bundesarztregister der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und den Grunddaten der Krankenhäuser werden die Anzahl internistischer FÄ für Rheumatologie nach Altersgruppen, Geschlecht, Tätigkeitsbereich, und -umfang berichtet und auf die Bevölkerungszahlen des Statistischen Bundesamtes hochgerechnet. Zum 31.12.2024 gab es 1161 berufstätige FÄ für Rheumatologie, davon waren 531 (46 %) weiblich und 386 (33 %) ≥ 60 Jahre. Anzahl und Anteil berufstätiger FÄ < 60 Jahre sind von 806 (73 %) in 2020 auf 775 (67 %) in 2024 gesunken. An der vertragsärztlichen Versorgung nahmen 725 FÄ teil. Von diesen…
Genes, proteins, chemicals, diseases, species, mutations and cell lines named across the full text — each resolved to its canonical identifier and authoritative record.
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Figure 6- —Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) (3438)
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Taxonomy
TopicsMusculoskeletal Disorders and Rehabilitation · Health and Medical Studies · Adolescent and Pediatric Healthcare
Einleitung
Seit vielen Jahren beobachten wir die Entwicklung der Anzahl an Fachärzt:innen (FÄ) für Rheumatologie, die für die Versorgung von Patient:innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zur Verfügung stehen. Zunehmende Veränderungen im Arbeitsumfang führen, neben dem Ausscheiden älterer FÄ aus dem Erwerbsleben, zu einem zusätzlichen Verlust an ärztlicher Arbeitszeit und müssen bei der Bedarfsplanung berücksichtigt werden. Diese Entwicklungen kontinuierlich zu beobachten, ist Aufgabe der Versorgungsforschung, um den Versorgungsbedarf für die kommenden Jahre kalkulieren zu können. Bei rückläufigen Kapazitäten müssen rechtzeitig Maßnahmen zur Gegensteuerung entwickelt und eingefordert werden. Dies ist ein wesentliches Ziel der Memoranden, die von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) e. V. erstellt werden. Seit der Veröffentlichung des jüngsten Memorandums [1] wurden von den unterschiedlichen Ärzteregistern neue Zahlen veröffentlicht. Die aktuellsten Zahlen inkludierend, berichten wir Trends in der Anzahl an FÄ unter Berücksichtigung der Alters- und Geschlechterverteilung, der Tätigkeitsbereiche und des Arbeitsumfangs bis einschließlich 2024.
Methodik
Folgende Datenquellen wurden für den Bericht herangezogen:
Die Ärztestatistiken der Bundesärztekammer (BÄK) umfassen die Gesamtheit der Ärzt:innen in Deutschland, die Mitglied in den Landesärztekammern sind, zum 31.12. jedes Jahres [2]. Aus den Ärztestatistiken berichten wir die Anzahl berufstätiger FÄ für Rheumatologie und die Anzahl an rheumatologischen Facharztanerkennungen. Da sich die Schwerpunktbezeichnungen in den Weiterbildungsordnungen über die Jahre verändert haben, haben wir die Anzahl der FÄ mit den Bezeichnungen „Innere Medizin und Rheumatologie“, „Innere Medizin und Schwerpunkt (SP) Rheumatologie“, „Innere Medizin, SP Rheumatologie“ und „Innere Medizin Teilgebiet (TG) Rheumatologie“ addiert, um die Gesamtheit aller FÄ für Rheumatologie abzubilden. Darstellungen über mehrere Jahre und stratifiziert nach Altersgruppen und Geschlecht wurden mithilfe der gestaltbaren Tabellen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes erstellt [3].
Im Bundesarztregister der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sind alle an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden FÄ zum 31.12. jedes Jahres berücksichtigt, also alle FÄ, die Patient:innen der gesetzlichen Krankenkassen ambulant behandeln dürfen [4]. Dies schließt zugelassene und angestellte FÄ sowie persönlich ermächtigte FÄ ein. Nicht enthalten sind ausschließlich in Krankenhäusern tätige FÄ, Institutsermächtigungen, rein privatärztlich tätige FÄ und Weiterbildungsassistent:innen [5]. Aus dem Bundesarztregister berichten wir die Anzahl an FÄ für Rheumatologie, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, nach Personen und Tätigkeitsbereich (Zulassung, angestellt in einer Einrichtung oder Praxis, Ermächtigung). Zu den Einrichtungen zählen Medizinische Versorgungszentren, Einrichtungen nach § 402 Abs. 2 SGB V (ehemals § 311 SGB V), KV-Eigeneinrichtungen und kommunale Eigeneinrichtungen. Außerdem berichten wir die Anzahl an FÄ nach dem Bedarfsplanungsgewicht, welches die Teilnahmeform und den -umfang der FÄ an der vertragsärztlichen Versorgung berücksichtigt. Die Zählung nach Bedarfsplanungsgewicht entspricht am ehesten der Zählung von Vollzeitäquivalenten (VZÄ), ist jedoch aufgrund der Besonderheiten des Zulassungsrechts und der Bedarfsplanung nicht damit gleichzusetzen [5]. Ermächtigte FÄ werden bei der Zählung nach dem Bedarfsplanungsgewicht nicht berücksichtigt.
Über das destatis Portal des Statistischen Bundesamts wurden Bevölkerungszahlen nach Altersgruppen und Bundesländern zum 31.12.2024 abgerufen [6], um die Anzahl an berufstätigen bzw. vertragsärztlich tätigen FÄ für Rheumatologie pro 100.000 Erwachsene in Deutschland und in den Bundesländern zu berechnen. Von destatis wurden auch die Zahlen Studierender der Humanmedizin nach Geschlecht für das Jahr 2023 abgerufen [7].
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht jedes Jahr im Oktober einen Bericht zu den Grunddaten der Krankenhäuser [8]. Hierin enthalten sind die Anzahl an FÄ für Rheumatologie, die in Krankenhäusern tätig sind, nach Geschlecht, Teilzeitbeschäftigung, Anzahl der Vollkräfte im Jahresdurchschnitt und nach Funktion (Anzahl leitend, oberärztlich, assistenzärztlich und belegärztlich tätig). Die Gesamtzahl der Vollkräfte im Jahresdurchschnitt ergibt sich aus der Summe der umgerechneten Teilzeitkräfte, der umgerechneten kurzfristig oder geringfügig beschäftigten Arbeitnehmenden und der Beschäftigten, die im gesamten Jahr bei voller tariflicher Arbeitszeit eingesetzt waren. Der jüngste Bericht umfasst Zahlen aus dem Jahr 2023.
Ergebnisse
Berufstätige FÄ für Rheumatologie
Zum 31.12.2024 waren in der Bundesärztekammer (BÄK) 1161 berufstätige FÄ für Rheumatologie gemeldet. Die Anzahl ist seit 2020 (1106) um 55 gestiegen. Der Anteil weiblicher FÄ ist seit 2020 von 43 % auf 46 % gestiegen (Abb. 1).Abb. 1Anzahl berufstätiger FÄ für Rheumatologie nach Geschlecht, Quelle: Eigene Abbildung mit Daten aus Gesundheitsberichterstattung des Bundes https://www.gbe-bund.de/ gestaltbare Tabellen: Ärztinnen und Ärzte mit Schwerpunktbezeichnung bzw. Facharztbezeichnung (Summe) mit ärztlicher Tätigkeit nach Altersgruppen, Ärztestatistik Bundesärztekammer [3]. FÄ Fachärzt:innen
Im Jahr 2024 waren 386 FÄ 60 Jahre und älter. Der Anteil berufstätiger FÄ ab 60 Jahre ist seit 2020 von 27 % auf 33 % gestiegen. In 2024 gab es zusätzlich 298 FÄ ohne ärztliche Tätigkeit, hiervon waren 237 im Ruhestand oder berufsunfähig. Anzahl und Anteil berufstätiger FÄ < 60 Jahre sind von 806 (73 %) in 2020 auf 775 (67 %) in 2024 gesunken (Abb. 2).Abb. 2Anzahl berufstätiger Fachärzt:innen für Rheumatologie nach Altersgruppen, Quelle: Eigene Abbildung mit Daten aus Gesundheitsberichterstattung des Bundes https://www.gbe-bund.de/ gestaltbare Tabellen: Ärztinnen und Ärzte mit Schwerpunktbezeichnung bzw. Facharztbezeichnung (Summe) mit ärztlicher Tätigkeit nach Altersgruppen, Ärztestatistik Bundesärztekammer [3]
Von den 1161 berufstätigen FÄ für Rheumatologie waren 465 (40 %) stationär und 643 (55 %) ambulant tätig, davon 381 niedergelassen und 262 angestellt.
In Krankenhäusern tätige FÄ
Die Grunddaten von 2023 listen 143 Krankenhäuser, in denen FÄ für Rheumatologie tätig waren. Insgesamt waren 386 FÄ für Rheumatologie in Krankenhäusern tätig, hiervon waren 176 (46 %) weiblich. Insgesamt waren 149 FÄ (39 %) in Teilzeit bzw. geringfügig beschäftigt. Es gab 72 FÄ in leitender Position, 193 Oberärzt:innen und 121 Assistenzärzt:innen (FÄ) sowie vier Belegärzt:innen. Seit 2018 ist die Anzahl an FÄ für Rheumatologie in Krankenhäusern von 360 auf 386 gestiegen, gleichzeitig stieg der Anteil teilzeitbeschäftigter FÄ von 25 % auf 39 %. Die Anzahl an Vollkräften im Jahresdurchschnitt ist von 340 auf 312 gesunken. Die Anzahl oberärztlich tätiger FÄ hat zu-, die der Belegärzt:innen abgenommen (Tab. 1).Tab. 1In Krankenhäusern tätige FÄ für Rheumatologie nach Geschlecht und Funktion201820192020202120222023Anzahl Krankenhäuser mit FÄ für Rheumatologie131132139143138143Anzahl an FÄ für Rheumatologie in Krankenhäusern zum 31.12.360361378365371386Weiblich, N (%)151 (42 %)157 (43 %)165 (44 %)161 (44 %)170 (46 %)176 (46 %)In Teilzeit/geringfügig beschäftigt, N (%)91 (25 %)116 (32 %)126 (33 %)125 (34 %)143 (39 %)149 (39 %)Leitende Funktion, N737371696872Oberärztliche Funktion, N162167184183193193Assistenzärzt:innen (nur FÄ), N125121123121100121Belegärzt:innen, N768454Vollkräfte im Jahresdurchschnitt340322313318306312Quelle: Eigene Tabelle mit Daten vom Statistischen Bundesamt (2024) Statistischer Bericht. Grunddaten der Krankenhäuser 2023 [8].FÄ Fachärzt:innen
Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung
Zum 31.12.2024 nahmen 725 FÄ für Rheumatologie an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Hiervon hatten 365 eine Zulassung (Vertragsärzte), 301 (42 %) waren in einer Einrichtung oder Praxis angestellt und 57 ermächtigt. Insgesamt 315 FÄ waren Frauen (43 %). Anzahl und Anteil angestellter FÄ sind von 148 (30 %) in 2020 auf 301 (42 %) in 2024 gestiegen, während die Zahl an FÄ mit Zulassung von 392 (57 %) auf 365 (50 %) gesunken ist. Die Zahl ermächtigter FÄ ist von 85 auf 57 zurückgegangen (Abb. 3).Abb. 3Anzahl an FÄ für Rheumatologie, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, Quelle: Eigene Abbildung mit Daten aus den Statistischen Informationen aus dem Bundesarztregister zur vertragsärztlichen Versorgung 2020–2024 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Stand 31.12. jeden Jahres, Zählung nach Personen, S. 7: FA/SP Rheumatologie [4]. FÄ Fachärzt:innen, MVZ Medizinisches Versorgungszentrum
Nach dem Bedarfsplanungsgewicht wurden 530 Personen als Vollzeitäquivalent beschäftigte FÄ für Rheumatologie gezählt, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen (Tab. 2).Tab. 2An der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende FÄ für Rheumatologie zum 31.12.2024Teilnehmende ÄrzteVertragsärztePartnerärzteAngestellt in Einrichtungen (MVZ)Angestellt in freier PraxisErmächtigteFA/SP Innere Medizin, Rheumatologie., Zählung nach Personen72536522267557Davon weiblich31513311085023Zählung nach Bedarfsplanungsgewicht530336–14747–Quelle: Eigene Tabelle mit Daten aus Gesundheitsberichterstattung des Bundes https://www.gbe-bund.de/ gestaltbare Tabellen: Ärztinnen und Ärzte, die mit einer Schwerpunktbezeichnung bzw. einer bestimmten Facharztbezeichnung an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen (Anzahl) nach Geschlecht und Teilnahmestatus im Jahr 2024, Bundesarztregister, Kassenärztliche Bundesvereinigung [4]. Zu Einrichtungen zählen Medizinische Versorgungszentren, Einrichtungen nach § 402 Abs. 2 SGB V (ehemals § 311 SGB V), KV-Eigeneinrichtungen und kommunale Eigeneinrichtungen.FA Facharzt, SP Schwerpunkt, FÄ Fachärzt:innen, MVZ Medizinisches Versorgungszentrum
Regionale Verteilung
Die meisten FÄ für Rheumatologie sind in Bayern und Nordrhein-Westfalen tätig. Bezogen auf die Bevölkerungszahl liegt die Anzahl berufstätiger FÄ für Rheumatologie (Personen, nicht Vollzeitkräfte) zwischen 0,8 (Saarland) und 2,5 (Berlin), für Deutschland insgesamt bei 1,7 pro 100.000 Erwachsene. In Bezug auf die Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung liegt die Anzahl zwischen 0,8 (Saarland) und 1,6 (Brandenburg, Hamburg), für Deutschland insgesamt bei 1,0 pro 100.000 Erwachsene (Tab. 3).Tab. 3Regionale Verteilung berufstätiger und vertragsärztlich tätiger FÄ für Rheumatologie zum 31.12.2024Erwachsene BevölkerungBerufstätige FÄ für RheumatologieAn der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende FÄ für RheumatologieAnzahlPro 100.000 ErwachseneAnzahlPro 100.000 ErwachseneDeutschland69.602.09811611,77251,0Baden-Württemberg9.300.6311461,6800,9Bayern11.013.6352292,11131,0Berlin3.075.666772,5371,2Brandenburg2.145.650341,6341,6Bremen582.75591,540,7Hamburg1.546.327251,6251,6Hessen5.213.228941,8490,9Mecklenburg-Vorpommern1.333.656261,9171,3Niedersachsen6.655.9721051,6711,1Nordrhein-Westfalen14.970.9482061,41441,0Rheinland-Pfalz3.437.893491,4230,7Saarland855.98170,870,8Sachsen3.397.437641,9471,4Sachsen-Anhalt1.816.303331,8251,4Schleswig-Holstein2.477.082401,6301,2Thüringen1.778.934171,0191,1Quellen: Eigene Tabelle mit Daten aus Bevölkerung nach Bundesländern und Altersjahren zum 31.12.2024, https://www-genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/12411/table/12411-0012, Gesundheitsberichterstattung des Bundes https://www.gbe-bund.de/ gestaltbare Tabellen: Ärztinnen und Ärzte mit Schwerpunktbezeichnung bzw. Facharztbezeichnung (Summe) mit ärztlicher Tätigkeit nach Region in 2024, Ärztestatistik der Bundesärztekammer; Ärztinnen und Ärzte, die mit einer Schwerpunktbezeichnung bzw. einer bestimmten Facharztbezeichnung an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen (Anzahl) nach Region im Jahr 2024, Bundesarztregister, Kassenärztliche Bundesvereinigung.FÄ Fachärzt:innen
Facharztanerkennungen
Im Jahr 2024 wurden 66 FÄ für Innere Medizin und Rheumatologie bzw. Schwerpunkt Rheumatologie anerkannt. Von 2020 bis 2024 wurden insgesamt 303 neue FÄ, d. h. im Durchschnitt 61 FÄ pro Jahr, anerkannt. Der Anteil an Frauen lag zwischen 55 und 68 % (Tab. 4).Tab. 4Anzahl an Facharztanerkennungen für Rheumatologie 2020–202420202021202220232024FA/SP Innere Medizin und Rheumatologie6360585666Davon Frauen43 (68 %)33 (55 %)35 (60 %)31 (55 %)40 (61 %)Quelle: Daten aus Ärztestatistiken der Bundesärztekammer von 2020–2024, Tab. 9, S. 36 [2].FA Facharzt, SP Schwerpunkt
Im Vergleich zu den anderen Schwerpunkten der Inneren Medizin liegt die Rheumatologie hinsichtlich der jährlichen Facharztanerkennungen im unteren Bereich, sowohl hinsichtlich der Gesamtzahl als auch im Zuwachs in den letzten fünf Jahren (Abb. 4).Abb. 4Anzahl an Facharztanerkennungen 2020–2024 in den Teilgebieten der Inneren Medizin, Quelle: Eigene Abbildung, Daten aus Ärztestatistiken der Bundesärztekammer von 2020–2024, Tab. 9, S. 36 [2] , Addition von Schwerpunkt und Facharztbezeichnungen für die jeweiligen Fachbereiche
Geschlechterverhältnis in der Rheumatologie
In 2023 waren von 113.383 Studierenden der Humanmedizin 73.244 (65 %) Frauen. Bei den Facharztanerkennungen für Rheumatologie lag der Anteil an Frauen von 2020 bis 2024 im Durchschnitt bei 61 %. In der vertragsärztlichen Versorgung waren von den in freier Praxis angestellten FÄ für Rheumatologie 68 % Frauen, von den angestellten FÄ in Einrichtungen wie Medizinischen Versorgungszentren waren dies 48 % und von den Vertragsärzt:innen mit einer Zulassung 38 %. In den Krankenhäusern waren 55 % der assistenzärztlich tätigen FÄ weiblich, 46 % der oberärztlich tätigen FÄ und 29 % der leitenden FÄ (Abb. 5).Abb. 5Geschlechterverteilung bei Studierenden und FÄ für Rheumatologie nach Tätigkeitsbereichen, Quellen: Eigene Abbildung mit Daten von: Studierende der Humanmedizin 2023 nach Geschlecht, destatis [7]; Facharztanerkennungen 2020–2024, Ärztestatistiken der Bundesärztekammer [2], Bundesarztregister 2024 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung [4] und Grunddaten der Krankenhäuser 2023 [8]. FÄ Fachärzt:innen, MVZ Medizinisches Versorgungszentrum
Diskussion
Seit mehr als fünf Jahren weisen Daten aus der Versorgungsforschung wiederholt auf den drohenden Mangel rheumatologischer FÄ hin [1, 9–12]. Zahlreiche Appelle an politisch Verantwortliche und eine groß angelegte Öffentlichkeitskampagne „rheuma2025.de“ des Bündnisses für Rheumatologie wurden an medizinisch ausbildenden Universitäten und in verschiedenen Medienkanälen über mehrere Jahre durchgeführt [13]. Viel geändert hat sich an den rheumatologischen FÄ-Kapazitäten seitdem nicht. Der bereits 2021 adressierte hohe Anteil an rheumatologischen FÄ über 60 Jahre [9] hat weiter zugenommen und 2024 zeigt sich erstmals eine deutliche Abnahme nicht nur im Anteil, sondern auch in der Anzahl an FÄ unter 60 Jahren. Die stark gestiegene Teilzeitbeschäftigung führt sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich zu reduzierten ärztlichen Arbeitszeiten. Der Rückgang zugelassener Vertragsärzt:innen geht mit einem deutlichen Anstieg angestellter FÄ im ambulanten Bereich einher. Der Mindestbedarf von zwei Vollzeitäquivalent tätigen FÄ für Rheumatologie pro 100.000 Erwachsene für die ambulante Versorgung [14] wird bei Weitem nicht gedeckt, selbst wenn alle berufstätigen FÄ für Rheumatologie berücksichtigt werden.
Alle diese Entwicklungen sind nicht spezifisch für die Rheumatologie, sondern betreffen andere medizinische Fachbereiche im In- und auch im Ausland [15, 16]. Allerdings zeigt der Vergleich der Facharztanerkennungen der Inneren Medizin, dass es Unterschiede in der Anzahl und im Zuwachs bei den einzelnen Schwerpunkten gibt. Auch in anderen Ländern gibt es bereits große Schwierigkeiten, ausreichend rheumatologische FÄ zu finden [17, 18], sodass Abwerbungen gut ausgebildeter rheumatologischer FÄ, z. B. in die Schweiz, längst verbreitet sind. Die FÄ gehen dorthin, wo sie die besten Arbeitsbedingungen vorfinden.
Jetzt wird es wirklich kritisch und wir benötigen diverse Strategien, um mehr ärztliche Arbeitszeit zu generieren, aber auch um die bestehende Arbeitszeit effizienter zu nutzen [15]. Wichtig ist zusätzlich, dass wir für die ärztliche Tätigkeit in der rheumatologischen Patientenversorgung Arbeitsbedingungen schaffen, die für die derzeit tätigen FÄ mit einer höheren Zufriedenheit einhergehen, damit wir sie nicht bei steigender Belastung in andere Bereiche mit attraktiveren Arbeitsbedingungen verlieren.
Die Anzahl an Facharztanerkennungen war 2024 mit 66 erfreulicherweise wieder deutlich höher als in den Vorjahren. Ob dies ein Trend ist oder eher eine jährliche Schwankung, wie es sie bereits in früheren Jahren gab, werden die Zahlen der nächsten Jahre zeigen.
Die Rheumatologie wird weiblicher, das zeigt sich in dem Anteil an Studentinnen und Ärztinnen in Weiterbildung sehr deutlich. Auch in einer Umfrage unter Weiterbildungsassistent:innen in der Rheumatologie waren 68/102 (67 %) Frauen [19], Statistiken zu den Ärzt:innen in rheumatologischer Weiterbildung gibt es nicht. Die unterschiedlichen Geschlechterverteilungen in den einzelnen Tätigkeitsbereichen zeigen, dass weibliche FÄ für Rheumatologie sehr viel häufiger im Angestelltenverhältnis in einer Praxis beschäftigt sind, während ihr Anteil an Positionen mit Leitungsfunktion deutlich geringer ist.
Limitationen der Datenquellen
In der Ärztestatistik der BÄK werden Ärzt:innen von den Landesärztekammern in anonymisierter Form an die BÄK gemeldet. Die Zuordnung der FÄ zu den einzelnen Fachgebieten erfolgt durch die Landesärztekammern. Die Einteilung nach ambulanter und stationärer Tätigkeit beruht auf Eigenangaben der Mitglieder. Um Mehrfachzählungen zu vermeiden, wird der BÄK nur der zuletzt erworbene Facharzttitel gemeldet, weitere Facharzttitel werden nicht berücksichtigt. Im Bundesarztregister wird ein FA, wenn er mehr als einen Schwerpunkt hat, mehrfach gezählt. Aufgrund der unterschiedlichen Erhebungen können gewisse Abweichungen zwischen den Daten der Ärztestatistik, dem Bundesarztregister und den Grunddaten der Krankenhäuser vorliegen.
Fazit für die Versorgung
Bei kontinuierlich steigenden Patientenzahlen sinken die für die Versorgung zur Verfügung stehenden fachärztlichen Kapazitäten in der Rheumatologie. Der baldige Renteneintritt der über 60-jährigen FÄ für Rheumatologie und die zunehmende Teilzeittätigkeit der jüngeren FÄ können nicht durch die derzeitige Weiterbildungsquote ausgeglichen werden. Neben der Ausbildung neuer FÄ benötigen wir Strategien zur effizienteren Gestaltung der Versorgungsprozesse sowie Konzepte für Arbeitsbedingungen, die die derzeitigen FÄ für Rheumatologie für unser Fachgebiet erhalten.
The reference list from the paper itself. Each links out to its DOI / PubMed record.
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