Increasing the efficiency of remote delegated home visits in a rural region of Bavaria: interim results of the VERSORGT am ORT study
Reiner Hofmann, Romina Lörzing, Martin Emmert, Julia Bräuer

TL;DR
A study in rural Bavaria shows that shifting some home visits to specialized spaces can save time and improve patient quality of life without reducing care quality.
Contribution
The study introduces a new model for delegating home visits to specialized spaces, improving efficiency in rural healthcare.
Findings
The VaO model reduced patient-independent work time by 20.9% and driven kilometers by 7.8%.
Patients showed significant improvement in mental quality of life scores.
Patient satisfaction remained stable despite changes in care delivery.
Abstract
Vor dem Hintergrund zunehmender Versorgungsprobleme in ländlichen Regionen ist die Weiterentwicklung ambulant-medizinischer Konzepte unter Fokus auf das Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit unerlässlich. Die Delegation ärztlicher Aufgaben an medizinische Fachangestellte (MFA) bietet einen vielversprechenden Ansatz zur Entlastung von Hausärzt:innen und zur Unterstützung der Sicherstellung einer nachhaltigen Versorgung. Das Projekt "VERSORGT am ORT" (VaO) entwickelt dieses Prinzip weiter und zielt darauf ab, durch die partielle Verlagerung delegierter Hausbesuche in spezialisierte Versorgungsräume die patientenferne Arbeitszeit zu reduzieren, ohne die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen. Zur Evaluation des VaO-Konzepts werden als Parameter die Lebensqualität (LQ) und die Zufriedenheit (PZ) der Patient*innen über standardisierte Fragebögen sowie die für die Versorgung benötigte…
Genes, proteins, chemicals, diseases, species, mutations and cell lines named across the full text — each resolved to its canonical identifier and authoritative record.
| VaO (MW) | HB (MW) | Δ | Δ in % | 95% KI | Einseitiges p | Cohen’s d | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Strecken [km] | 12,3 | 13,34 | 1,04 | 7,80% | [0,76;1,31] | <0,001 | 1,59 |
| Fahrtzeit [min] | 13,93 | 15,82 | 1,9 | 12,00% | [1,59;2,19] | <0,001 | 1,76 |
| Fußweg [min] | 4,49 | 7,28 | 2,79 | 38,30% | [2,35;3,24] | <0,001 | 2,61 |
| Setup [min] | 1,59 | 2,22 | 0,63 | 28,40% | [0,47;0,78] | <0,001 | 0,89 |
| Gesamtzeit [min] | 20,01 | 25,32 | 5,31 | 20,90% | [4,56;6,06] | <0,001 | 4,39 |
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| Lebensqualität KSK (n=48) | 41,01 | 43,94 | 2,93 | 7,14% | [− 5,95;0,1] | 0,057 | − 0,28 |
| Lebensqualität PSK (n=48) | 52,94 | 57,27 | 4,33 | 8,18% | [− 7,55;-1,1] | 0,01 | − 0,39 |
| Zufriedenheit (n=72) | 30,49 | 30,35 | 0,14 | 0,46% | [− 0,26;0,54] | 0,49 | 0,08 |
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Taxonomy
TopicsChronic Disease Management Strategies · Geriatric Care and Nursing Homes · Health and Medical Studies
Einleitung
Vor dem Hintergrund der Versorgungsprobleme ländlicher Regionen steigt der Bedarf an innovativen ambulanten Versorgungskonzepten. Zur Zukunftssicherung der Versorgung erweist sich die Delegation ärztlicher Aufgaben an qualifizierte medizinische Fachangestellte (MFA) als zielführend 1 . Dies entlastet Hausärztinnen in der Praxis wie auch bei Routine-Hausbesuchen (HB) 2 . Die Umverteilung von Aufgaben durch Delegation kann aus Sicht der Hausärztinnen personelle Ressourcen effizienter einsetzen und sich vorteilhaft auf die Hausarztpraxis, deren Patient*innen sowie die Versorgung generell auswirken 3 .
Bei delegierten Routine-HB werden alle Patientinnen einzeln zu Hause besucht und versorgt. Geeignete HB werden zu Touren zusammengefasst. Das Konzept VERSORGT am ORT (VaO) zielt darauf ab, die HB-Touren effizienter zu gestalten, ohne die Versorgungsqualität negativ zu beeinflussen. Nach ärztlicher Feststellung der Eignung und informierter Zustimmung der Patientinnen werden delegierte HB in speziell eingerichtete Versorgungsräume verlagert. Der Leistungsumfang und die leistungserbringenden MFA bleiben dabei unverändert, einzig der Ort der Leistungserbringung wird verändert. In einer Versuchsregion wird anhand eines kontrollierten Studien-Settings untersucht, ob sich Wegstrecken und Arbeitszeiten im patientenfernen Bereich reduzieren sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität (LQ) und Zufriedenheit der Patient*innen (PZ) auf einem zumindest konstanten Niveau bleiben.
Methodik
Datenerhebung Zur Evaluation des innovativen Versorgungskonzepts VaO werden (1) die gefahrenen Kilometer und (2) die benötigte Zeit der MFA sowie die (3) LQ und (4) die PZ der Patient*innen erhoben. Ein positives Votum der Ethikkommission der Universität Bayreuth (Vorgangsnummer 23-014) liegt vor.
Die vorliegende Zwischenauswertung zeigt die Ergebnisse für die Parameter Zeit und Wegstrecke basierend auf von Mai 2023 bis Mai 2024 durch drei teilnehmende Praxen in acht VaO-Räumen erhobenen Daten. Die Wegstrecken beziehen sich auf die Entfernungen, die von den MFA in ihren HB-Touren zurückgelegt werden. Mithilfe des Routenplaners MapQuest werden die kürzesten Routen in zwei Szenarien berechnet: Das HB-Szenario umfasst als üblicher Standard die Adressen aller Patientinnen, welche durch delegierte HB versorgt werden. Die Wegstreckenberechnung im VaO-Szenario umfasst die Adressen der VaO-Räume und der Patientinnen, welche nicht im VaO-Raum versorgt werden. Dabei werden sowohl die zurückgelegten Kilometer (km) als auch die benötigte Zeit (min) ermittelt. Der Outcome-Parameter Zeit umfasst die zwei Teilgrößen Wegstreckenzeit (Fahrt- und Fußwege) sowie die Setup-Zeit zur Vor- und Nachbereitung der medizinischen Leistung. Die mittleren Setup-Zeiten wurden vorab in einem Workshop mit den teilnehmenden MFA gemessen. Inhalt und Dauer der Patientenversorgung bleiben unverändert und werden nicht in die Auswertung einbezogen.
Zur Erfassung der LQ wird der Fragebogen Short Form 12 (SF-12) mit den Subskalen körperliche und psychische Summenskala (KSK, PSK, Min-Max-Werte jeweils 0-100) verwendet 4 . Die PZ wird mittels des Fragebogens ZUF-8 (Min-Max-Werte 0-32) dokumentiert 5 . Die Erhebung dieser beiden Parameter erfolgt zu drei Zeitpunkten aus individueller Sicht der fortlaufend eingeschlossenen Patient*innen im VaO-Szenario: vor Beginn der Versorgung im VaO-Raum zur Erfassung der Basisdaten (t0), nach sechs Monaten (t1) und nach weiteren zwölf Monaten (t2). Datenauswertung Die Auswertung erfolgte mit dem Statistikprogramm IBM Corp. Released 2023. IBM SPSS Statistics for Windows, Version 29.0.2.0 Armonk, NY: IBM Corp. Um Unterschiede zwischen den Szenarien zu analysieren, wurden gepaarte t-Tests mit den Variablen gefahrene km und benötigte Zeit durchgeführt. Das Signifikanzniveau wurde mit alpha=0,05 festgelegt. Die aus den Fragebögen erhobenen Daten zur PZ und LQ wurden ebenfalls mit Hilfe von gepaarten t-Tests ausgewertet (alpha=0,05).
Ergebnisse
Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer*innen (n=110) beträgt 77,81 Jahre (SD=9,37). Die Analyse basiert auf n=134 bereinigten und vollständigen Szenarien-Datensets, die Berechnung der Zeiten umfasst 659 Leistungen (davon 196 in der Häuslichkeit und 463 bzw. 70% in den VaO-Räumen) aus 488 Patientenkontakten (222 in der Häuslichkeit, 266 bzw. 55% in den VaO-Räumen).
Die Mittelwertdifferenzen liegen bei 1,04 km und 5,31 min, einer Reduzierung um 7,8% der Wegstrecken und 20,9% der patientenfernen Arbeitszeit entsprechend. Die gefahrenen Wegstrecken sind im VaO-Szenario mit 12,30 km (SD=6,09) im Mittel geringer als im HB-Szenario mit 13,34 km (SD=6,47). Die Effektgröße Cohen’s d liegt bei 1,59. Daneben untergliedert sich die Wegstreckenzeit in Fahrtzeit mit dem Auto und Fußwegzeit vom Stellplatz zum Ort der Leistungserbringung. Im VaO-Szenario beträgt die mittlere Fahrtzeit 13,93 min (SD=5,63), während im HB-Szenario 15,82 min (SD=5,83) gemessen werden (d=1,76). Die durchschnittliche Fußwegzeit ist im VaO-Szenario mit 4,49 min (SD=3,33) kürzer als im HB-Szenario mit 7,28 min (SD=4,38, d=2,61). Auch die Setup-Zeit ist im VaO-Szenario mit 1,59 min (SD=1,18) kürzer als im HB-Szenario mit 2,22 min (SD=1,50, d=0,89). Alle Paare weisen statistisch signifikante Unterschiede mit p<0,001 auf (s. Tab. 1 ).
: Tab. 1 Statistische Auswertung
Die durchschnittliche PZ (n=72) beträgt zum Messzeitpunkt t0 30,49 (SD=2,31) und zum Messzeitpunkt t1 30,37 (SD=2,30). Der Unterschied ist nicht signifikant (p=0,49, d=0,08). Bei der Betrachtung der LQ (n=48) ergibt sich zum Zeitpunkt t0 Mittelwerte für die KSK von 41,01 (SD=11,88), zu t1 von 43,94 (SD=11,07). Für die PSK werden Mittelwerte von 52,94 (SD=9,5) zu t0 und von 57,27 (SD=5,38) für t1 ermittelt. Hier zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied bei der PSK (p=0,01, d=− 0,39) im Gegensatz zur KSK mit p=0,057 (d=− 0,28) (s. Tab. 1 ).
Diskussion
Die vorliegenden Ergebnisse der ersten Evaluation zeigen, dass VaO die Wegstrecken und patientenferne Arbeitszeit reduziert, ohne zu negativen Effekten für die LQ und PZ zu führen. Die kleine Gruppe der nach den regulatorischen sowie im Studienprotokoll festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien ausgewählten VaO-geeigneten Patient*innen wird einerseits durch die medizinische Notwendigkeit eines HB und andererseits durch die Mobilität zum Besuch der VaO-Räume eingegrenzt und verändert sich fortlaufend. Daraus resultieren abweichende Touren, Strecken und Zeiten. Alle getesteten Parameter weisen statistisch signifikante Differenzen (p<0,001) und hohe Effektstärken (Cohen’s d>0,8) auf. Dies weist auf sehr ausgeprägte Unterschiede hin. Trotz einer geringen absoluten Differenz der Zahlen zeigt der relative Vergleich bereits in dieser Größenordnung das Potential und die Effizienzsteigerung der innovativen Versorgungsform. Zur noch ausstehenden Analyse der Generalisierbarkeit des VaO-Konzepts wird dieses im weiteren Projektverlauf in einer Vergleichsregion implementiert und evaluiert. Trotz der Vorteilhaftigkeit sind weitere Analysen erforderlich, um beispielsweise regional bedingte interne wie externe Faktoren oder infrastrukturelle Unterschiede tiefergehend zu untersuchen.
Die hohen t0-Werte der PZ weisen darauf hin, dass die Patientinnen mit der bisherigen hausärztlichen Versorgung über HB in der Untersuchungsregion zufrieden sind. Die im Vergleich unveränderten t1-Werte zeichnen ein positives Bild der innovativen Versorgungsform, wobei auch diese Datenbasis im weiteren Projektverlauf durch neu in das VaO-Konzept aufgenommene Patientinnen fortlaufend erweitert wird, was den Nachteil des geringen Stichprobenumfangs verringert.
Die Ergebnisse der LQ-Erhebungen lassen sich in vergleichbare Stichproben einordnen. Im Vergleich zur Normstichprobe des SF-12 in der entsprechenden Altersgruppe liegen die t0-Werte der VaO-Population mit KSK=41,01 und PSK=52,94 über den Norm-MW der beiden Subskalen (KSK=38,76 und PSK=52,27) oder den von Schmidt und Gebert ermittelten MW KSK=39,67 und PSK=48,69 6 . Dies unterstreicht die Robustheit der erhobenen Daten. In t1 ergeben sich MW von KSK=43,94 und PSK=52,27, was nahelegt, dass VaO insbesondere auf die psychische Gesundheit einen positiven Einfluss hat, wohingegen bei der körperlichen Lebensqualität bisher keine signifikante Veränderung feststellbar war. Zur Erörterung dieser Wirkung von VaO auf die beiden Subskalen sind weitere Untersuchungen durchzuführen, welche sich vor allem mit der Verbesserung der KSK auseinandersetzen. Insgesamt unterstützen die Ergebnisse die Annahme, dass VaO keinen negativen Einfluss auf die LQ der Patient*innen aufweist.
Fördermittel
Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention — G31f-G8000-2020/989-33
The reference list from the paper itself. Each links out to its DOI / PubMed record.
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