Good recovery of leisure activities and sport after primary implantation of cementless knee arthroplasty after 5 years: A retrospective study
Manish Theiner, Julian Mehl, Norbert Freund

TL;DR
This study shows that cementless knee implants allow patients to return to sports and reduce pain over five years without implant loosening.
Contribution
The study provides five-year follow-up data on cementless knee arthroplasty's impact on sports recovery and pain reduction.
Findings
Significant improvement in sports performance was observed at 1 and 5 years post-surgery.
Pain levels during favorite sports decreased from 'strong' to 'little' after five years.
No aseptic loosening or infections occurred in the five-year follow-up period.
Abstract
Die Prognose der Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten nach einer Knie-Totalendoprothese (K-TEP) ist für viele Patienten entscheidend. Obwohl zementfreie Implantationstechniken zunehmend Anwendung finden, fehlen belastbare Langzeitdaten zu deren Einfluss auf sportliche Betätigung. Ziel dieser Studie war die Analyse individueller Freizeitaktivitäten sowie sportlicher und funktioneller Parameter nach zementfreier K-TEP über einen Zeitraum von fünf Jahren. In einer retrospektiven Analyse wurden prospektiv erhobene Daten von 42 Patienten (Alter 35–80 Jahre, Implantat: Attune, DePuy) ausgewertet. Für jeden Patienten wurden die drei relevantesten Sportarten anhand des Knee Society Scores (KSS) erhoben und prä- mit postoperativen Werten (nach 1 und 5 Jahren) verglichen. Zusätzlich wurden Subskalen des KSS und des Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS) analysiert. Die…
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Figure 8- —Danube University Krems University for Continuing Education
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Taxonomy
TopicsTotal Knee Arthroplasty Outcomes · Orthopaedic implants and arthroplasty · Knee injuries and reconstruction techniques
Einleitung
Eine zentrale Fragestellung im Rahmen der Planung einer Knietotalendoprothese (K-TEP) betrifft die postoperative Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten. Steigende Implantationszahlen sowie ein wachsender Anspruch an körperliche Aktivität im Alltag und in der Freizeit erhöhen die Relevanz dieses Aspekts [1, 2]. Ein Wiedererlangen der Alltags- sowie Freizeitaktivität nach immobilisierender Kniegelenksarthrose bringt nicht nur Lebensqualität wieder, sondern erhöht auch die Lebenserwartung signifikant [3]. Zahlreiche Studien belegen eine signifikante Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung nach K-TEP. Die vorliegende Arbeit untersucht jedoch im Speziellen die sportlichen Parameter vor und nach Prothesenimplantation, um dadurch eine Quantifizierung der sportlichen Prognose für die Patienten und damit auch eine Entscheidungshilfe für die Operation bieten zu können.
Während zur zementierten Technik bereits vergleichbare Untersuchungen vorliegen [4, 5], bestehen für die zementfreie Implantation weiterhin Vorbehalte, insbesondere hinsichtlich eines potenziell erhöhten Lockerungsrisikos [6].
Aktuelle Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass insbesondere jüngere und aktivere Patienten funktionell von einer zementfreien Verankerung profitieren könnten [7]. Ebenso zeigen aktuelle Studien keine erhöhte Revisionsrate bei sportlich aktiven Patienten mit zementfreier K‑TEP [8].
Das primäre Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Evaluation der Wiederaufnahme individueller sportlicher Freizeitaktivitäten über einen Zeitraum von 5 Jahren nach zementfreier K‑TEP. Als sekundärer Endpunkt wurde die Änderung der sportlichen und physikalischen Leistungsfähigkeit anhand validierter PROM über 5 Jahre nach zementfreier K-TEP-Implantation untersucht.
Material und Methoden
Es wurde eine retrospektive Studie von prospektiv gesammeltem Patientendaten, welche eine zementfreie Knieprothesenimplantation (Attune, Fa. DePuy, Raynham, MA, USA) erhielten, durchgeführt. Anzumerken ist, dass die Datenerhebung für eine andere Studie in Zusammenarbeit mit der Firma DePuy in unserem Haus durchgeführt wurde. Die vorliegende Studie nutzte diese gesammelten Daten und es wurden die sportlichen Subgruppen der PROM des KOOS- und KSS-Scores ausgewertet. Dabei wurde ein Beobachtungszeitraum über 5 Jahre gewählt und die Studie war monozentrisch.
Einschlusskriterien wurden definiert: 35–80 Jahre, nichtinflammatorische Arthrose mit Untersucherindikation, freiwilliges Einverständnis, nicht bettlägerig, Patient versteht die Studie und kann diese durchführen, kann lesen und verstehen.
Ausschlusskriterien: Schwangerschaft, kontralaterale Seite bereits in Studie, kontralaterale Amputation, vorangegangene Schlittenprothese, Patellaoberflächenersatz oder kniegelenksnahe Osteotomie ipsilateral, radikuläre Schmerzen ipsilateral, andere Studienteilnahme in den letzten 3 Monaten, Frühpensionierungsbegehren, Drogen‑/Alkoholabhängigkeit in den letzten 5 Jahren oder psychische Vorerkrankung, muskelrelaxierende Medikamente bei Krankheiten wie Fibromyalgie oder Polymyalgie, schwere neurologische und muskuloskelettale Erkrankung mit Gang- und Belastungsstörung (MS, muskuläre Dystrophie, Charcot), entzündliche Arthritis wie Psoriasis und systemischer Lupus, weniger als 5 Jahre Lebenserwartung aufgrund von schweren Komorbiditäten, unkontrollierte Gicht.
Insgesamt erfüllten 47 Patienten, welche zwischen April 2017 und April 2018 eine primäre und zementfreie K-TEP erhielten, die Einschlusskriterien und wurden in die Studie eingeschlossen. Das „loss to follow-up“ betrug n = 0. Es zeigten sich 2 „drop outs“ (1 kleinzelliges Lungenkarzinom, 1 periprothetische Fraktur nach 4 Jahren). Bei 2 Patienten kam es im Verlauf zu einer sekundären ligamentären Insuffizienz, die eine operative Revision erforderlich machte. Diese Fälle wurden als Komplikation mit Revisionsindikation dokumentiert. Die präoperativen PROM eines Studienteilnehmers sind verloren gegangen, weshalb auch dieser nicht in der Studie berücksichtigt werden konnte. Ein Studienteilnehmer entwickelte im Verlauf eine Arthrofibrose und wurde arthroskopisch revidiert, konnte jedoch in der Studie beibehalten werden.
Endgültig wurden somit Daten von 42 Patienten in der vorliegenden Studie ausgewertet.
Das Eingriffshaus ist ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung. Alle Operationen wurden von EndoCert-Hauptoperateuren durchgeführt. Alle Patienten erhielten nach circa 3 Monaten einen Reha-Aufenthalt zur Optimierung der Rehabilitation. Eine passive Gelenkmotorschiene erhielten die Patienten solange die Flexion unter 60° betrug, stationär sowie auch zuhause.
„Patient reported outcomes“
Für die erste Fragestellung wurden aus dem KSS-Score die Variablen der „Möglichen Aktivitäten“ entnommen. Bei dieser Subgruppe wählten die Patienten 3 aus 17 möglichen Freizeitaktivitäten und Sportarten aus, die für sie im Alltag und Leben am wichtigsten waren und bewerteten den Beschwerdegrad bei der aktuellen Durchführung davon. Dadurch entstehen pro Befragungstermin 3 Werte, von welchem der Mittelwert gebildet wurde. Dabei hat diese ordinale Skalierung 6 Variablen; welche von „kniebedingt nicht möglich“ (= 0) zu „gar keine Einschränkung“ (= 5) reicht.
Für die sekundäre Fragestellung wurden die sportlichen Untergruppen von 2 unterschiedlichen Fragebögen ausgewertet. Einerseits wurden aus dem KSS-Score alle mit Sport assoziierten Untergruppen „Grundaktivitäten“, „spezielle Aktivitäten“ und die zuvor auch verwendeten „möglichen Aktivitäten“ untersucht, was insgesamt 14 Werte pro Befragungstermin ergab. Erneut wurde ein Mittelwert aus diesen Variablen gebildet. Es handelt sich um denselben Score wie oben beschrieben, weshalb die ordinalen Variablen analog dazu sind. Zudem wurden aus dem KOOS-Score alle mit Sport assoziierten Untergruppen „Aktivitäten des täglichen Lebens“ und „Funktionalität bei Sport und Freizeitaktivitäten“ ausgewertet, welche insgesamt 22 Werte pro Befragungstermin ergaben. Für die spätere Auswertung wurde auch hier der Mittelwert gebildet. Dabei hat diese ordinale Skalierung 5 Variablen, welche von „keine Beschwerden“ (= 0) zu „immer“ (= 4) reichen. Die Werte der beiden Fragebögen können daher nicht direkt miteinander verglichen werden, da sie eine unterschiedliche Variablenanzahl haben und reziprok sind.
Die Patienten füllten in der Originalerhebung die kompletten KSS- und KOOS-Scores präoperativ, sowie nach 6 Wochen, 3 Monaten, 1 Jahr, 3 Jahren und 5 Jahren postoperativ aus.
Für die vorliegende Studie wurden die folgenden 3 Zeitpunkte evaluiert: präoperativ, 1. Jahr und 5. Jahr postoperativ. Diese Zeitpunkte waren für die Untersuchung unserer Fragestellungen relevant.
Statistik
Zunächst konnten alle 3 Gruppen (KSS-Mögliche Aktivitäten, KSS-Sportuntergruppen, KOOS-Sportuntergruppen) mit dem Kolmogorov–Smirnov-Wahrscheinlichkeitsverteilungstest als normalverteilt berechnet werden. Der Vergleich der Variablen einer Gruppe an 2 Zeitpunkten (präoperativ und 5. Jahr postoperativ) wurde mit dem Wilcoxon-Test durchgeführt. Für den Vergleich der statistischen Signifikanz zwischen allen 3 Zeitpunkten eines Probanden (präoperativ, 1. Jahr und 5. Jahr postoperativ) wurde der Friedmann-Test durchgeführt . Es wurde eine zusätzliche Untergruppenbestimmung zwischen 2 Altersgruppen mit dem Scheidewert 65 Jahre zum Zeitpunkt der Implantation bestimmt.
Für die vereinfachte Lesbarkeit wurde in den Tabellen und Boxplots die „KSS-Mögliche Aktivitäten“ in „KSS Akt.“ unbenannt. Die „KSS- und KOOS-Sportuntergruppen“ wurden als jeweils „KSS“ und „KOOS“ umbenannt, obwohl sie nur die sportlichen Abschnitte der Fragebögen beinhalten. Zusätzlich erfolgte eine Korrelationstestung zwischen den Ergebnissen der beiden PROM der KSS- und KOOS-Sportuntergruppen mit dem Spearmen-Test.
Die Statistikberechnungen wurden mit dem kostenfreien Programm „Python“ (Python Software Foundation, Delaware, USA) durchgeführt. Für die errechneten Werte in dieser Arbeit wurde bis auf die 2. Kommastelle gerundet. Als statistisch signifikanter Unterschied in den vergleichenden Tests wurde ein p-Wert von unter 0,05 definiert. Eine Übersicht der Ergebnisse sind der Übersichtstabelle online unter Supplementary Information zu entnehmen.
Ergebnisse
Von den 42 Patienten waren 31 (73,8 %) Frauen und 11 (26,2 %) Männer. Wie oben beschrieben wurden 2 Altersgruppen definiert (Tab. 1).Tab. 1Demographische Daten der StudienpopulationVariableErgebnisAnzahl42GeschlechtF = 31 (73,8 %); M = 11 (26,2 %)Alter + STD64,02 ± 9,34 (min. 35, max. 79)Unter 65 Jahre25 (59,52 %)Über 65 Jahre17 (40,48 %)
Beim Wilcoxon-Test zeigten sich eine statistisch signifikante Verbesserung von präoperativ zum 5‑Jahres-Zeitpunkt postoperativ innerhalb der 3 Gruppen (und auch Altersgruppen).
Beim Friedman-Test zeigten sich alle Vergleiche der Variablen zwischen präoperativ, 1. Jahr und 5. Jahr postoperativ innerhalb der 3 Gruppen (und Altersgruppen) statistisch signifikant (Tab. 2–4).Tab. 2Übersichtstabelle KSS (Knee Society Score) Aktiv mit statistischer SignifikanzbewertungPräoperativ1 Jahr5 JahreSig. 5 JahreSig. WerteKSS Aktiv (gesamt)1,89 ± 0,794,08 ± 0,623,85 ± 1,10p < 0,00001p < 0,00001KSS Aktiv (< 65 Jahre)1,84 ± 0,563,73 ± 0,963,69 ± 1,00p = 00003p < 0,00001KSS Aktiv (> 65 Jahre)1,88 ± 0,833,72 ± 0,803,58 ± 0,89p < 0,00001p < 0,00001-Sig. 5 Jahre: p-Wert zwischen präoperativ und 5 Jahr postoperativ; Sig. Werte: p-Wert, welcher statistische Signifikanz zwischen allen 3 Werten angibt
KSS aktiv.
Dabei ist die ordinalen Skalierung im KSS wie folgt: 0 = nicht möglich, 1 = sehr starke Beschwerden, 2 = starke Beschwerden, 3 = mittelmäßige Beschwerden, 4 = wenig Beschwerden, 5 = keine Beschwerden. Analog zur Wertetabelle können wir also entnehmen, dass sich durch die Operation die präferierten Sportarten der Patienten von „starke Beschwerden“ zu „wenig Beschwerden“ gebessert haben (Abb. 1; Tab. 2). Damit kann die Alternativhypothese für die erste Fragestellung bestätigt werden.Abb. 1KSS (Knee Society Score) Aktiv, „Mögliche Aktivitäten“ Werte BoxplotAbb. 2KSS (Knee Society Score) Aktiv Boxplot, Altersgruppen < > 65 Jahre
Es zeigen sich auch im Vergleich zwischen den beiden Altersgruppen ähnliche Ergebnisse (Tab. 2; Abb. 2).Tab. 3Übersichtstabelle KSS (Knee Society Score) mit statistischer SignifikanzbewertungPräoperativ1 Jahr5 JahreSig. 5 JahreSig. WerteKSS (gesamt)1,86 ± 0,683,73 ± 0,883,64 ± 0,94p < 0,00001p < 0,00001KSS (< 65 Jahre)1,87 ± 0,704,12 ± 0,653,88 ± 1,15p < 0,00001p < 0,00001KSS (> 65 Jahre)1,92 ± 0,914,04 ± 0,613,81 ± 1,08p < 0,00003p < 0,00002-Sig. 5 Jahre: p-Wert zwischen präoperativ und 5 Jahr postoperativ; Sig. Werte: p-Wert, welcher statistische Signifikanz zwischen allen 3 Werten angibtAbb. 3KSS(Knee Society Score)-Werte Boxplot
KSS sport.
Analog zur Wertetabelle können wir also entnehmen, dass sich durch die Operation das sportliche Niveau der Patienten laut dem KSS-Score von „sehr starke bis starke Beschwerden“ zu „wenig bis mittelmäßige Beschwerden“ gebessert hat (Abb. 3; Tab. 3).Abb. 4KSS(Knee Society Score)-Boxplot, Altersgruppen < > 65 Jahre
Es zeigen sich auch im Vergleich zwischen den beiden Altersgruppen sehr ähnliche Ergebnisse (Tab. 3; Abb. 4).Tab. 4Übersichtstabelle KOOS (Knee Injury und Osteoarthritis Outcome Score) mit statistischer SignifikanzbewertungPräoperativ1 Jahr5 JahreSig. 5 JahreSig. WerteKOOS (gesamt)3,58 ± 0,611,87 ± 0,681,86 ± 0,78p < 0,00001p < 0,00001KOOS (< 65 Jahre)3,59 ± 0,571,88 ± 0,661,80 ± 0,76p < 0,00001p < 0,00001KOOS (> 65 Jahre)3,55 ± 0,681,85 ± 0,731,94 ± 0,83p < 0,00003p < 0,00002-Sig. 5 Jahre: p-Wert zwischen präoperativ und 5 Jahr postoperativ; Sig. Werte: p-Wert, welcher statistische Signifikanz zwischen allen 3 Werten angibtAbb. 5KOOS(Knee Injury und Osteoarthritis Outcome Score)-Boxplot
KOOS sport.
Dabei ist die ordinale Skalierung im KOOS wie folgt: 4 = extreme Beschwerden, 3 = schwere Beschwerden, 2 = moderate Beschwerden, 1 = milde Beschwerden, 0 = keine Beschwerden.
Analog zur Wertetabelle können wir also entnehmen, dass durch die Operation sich das sportliche Niveau der Patienten laut dem KOOS-Score von „extreme bis starke Beschwerden“ zu „moderate Beschwerden“ gebessert hat (Abb. 5; Tab. 4).
Es zeigen sich auch im Vergleich zwischen den beiden verschiedenen Altersgruppen ähnliche Ergebnisse (Abb. 6). Betrachtet man alle 3 Boxplots, werden die Mittelwerte in allen 3 Gruppen durch wenige Ausreiser insgesamt leicht verschlechtert. Tendenziell zeigt die „jüngeren“ Altersgruppe nach 5 Jahren leicht gebesserte Beschwerden in allen 3 Gruppen.Abb. 6KOOS(Knee Injury und Osteoarthritis Outcome Score)-Boxplot, Altersgruppen < > 65 Jahre
Mit dem Spearman-Korrelationskoeffizient-Test wird die Korrelation zwischen den Werten der „sportlichen Aktivitäten“ von KSS und KOOS berechnet (siehe Grafik online unter Supplementary Information). Die negativen Korrelationswerte in der Tab. 5 erschließen sich aus dem reziproken Bewertungssystem der beiden PROM.Tab. 5Spearman-Korrelationskoeffizient KSS(Knee Society Score)/KOOS(Knee Injury und Osteoarthritis Outcome Score)-WertetabelleKSS/KOOSPräoperativ1. Jahr5. JahrKorrelationskoeffizient−0,61−0,84−0,88p-Wert< 0,00001< 0,00001< 0,00001
Mit −0,61 präoperativ zeigt sich lediglich, dass die beiden PROM beim „beschwerdereichen“ Zeitpunkt vor der Operation sich etwas unterscheiden. Es ist jedoch trotzdem noch eine gute Vergleichbarkeit der Werte präoperativ bei stärkeren Beschwerden gegeben.
Es zeigt sich mit einem Korrelationskoeffizient von −0,84 und −0,88 postoperativ eine sehr hohe Homogenität der Ergebnisse der beiden PROM.
Kombiniert man nun die sehr guten Ergebnisse des KSS- und KOOS-„Sportliche Aktivitäten“ mit der Erkenntnis der ausgezeichneten Korrelation postoperativ kann die Alternativhypothese auch für die 2. Fragestellung bestätigt werden.
Während des gesamten Beobachtungsverlaufs zeigten sich keine periprothetischen Infekte oder aseptischen Lockerungen. 2 Patienten erhielten eine Revision aufgrund ligamentärer Insuffizienz auf ein Prothesensystem mit höherem Kopplungsgrad.
Die 3 bevorzugten Aktivitäten/Sportarten der Teilnehmer waren Spazierengehen (n = 33), Gartenarbeit (n = 27) und Radfahren (n = 20).
Diskussion
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Arbeit ist, dass die Teilnehmer ihre 3 Lieblingsaktivitäten bzw. -sportarten postoperativ deutlich besser ausüben können und auch die insgesamte sportlichen Fähigkeit sich signifikant besserte.
Trotz der zementfreien Technik zeigten sich während des Beobachtungszeitraums keine aseptischen Lockerungen. Die 3 Revisionen aufgrund der ligamentären Insuffizienz (n = 2) und der periprothetischen Fraktur (n = 1) wurden nicht als Versagen der zementfreien Implantationstechnik gewertet, da sie unabhängig von der knöchernen Integration auftraten.
In allen 3 Gruppen haben sich interessanterweise die Werte nach 5 Jahren im Vergleich zu 1 Jahr postoperativ minimal verschlechtert. Initial glaubten wir, dass die insgesamte Verschlechterung des Allgemeinzustandes bei den älteren Patienten Grund für dieses Phänomen sein könnte.
Jedoch zeigt sich dieser Trend auch in der Altersgruppe unter 65 Jahre. Auch war die Altersgruppe über 65 Jahre im KOOS die einzige Untergruppierung, in welcher sich sogar eine leichte Besserung zeigte.
In einer Vergleichsarbeit mit zementierter Technik zeigte sich interessanterweise lediglich bei den unter 60-Jährigen eine leichte Verschlechterung des Aktivitätsniveaus im 5‑Jahres-Verlauf [5]. Natürlich ist eine erneute Sportausübung nach der K-TEP auch abhängig vom präoperativen Allgemeinzustand und den Nebenerkrankungen des Bewegungssystems [9]. In der ersten Fragestellung ging es daher auch darum, ob der bereits somatisch ältere Patient wieder seine Freizeitaktivität, wie im Garten arbeiten, ausüben kann.
In den meisten Lehrbüchern gilt die zementierte Technik in der K-TEP als Goldstandard und wird von älteren Metaanalysen auch dahingehend bestätigt [10].
Rezente Metaanalysen jedoch zeigen nicht nur eine Ebenbürtigkeit, sondern auch bessere Langzeitrehabilitation nach zementfreier Technik [11]. Eine rezente, große Metaanalyse aus Kanada von Aaron G. Chen zeigt zudem eine signifikant geringere Revisionsrate [12].
In unserem Haus wird aufgrund der zunehmenden Studienlage größtenteils zementfrei operiert.
Wenn sich der Trend fortführt, wird wahrscheinlich in naher Zukunft die Frage nach der Altersgrenze für zementfreie Knieprothesen laut. Zu diskutieren gilt, ob eventuell diese Grenze analog zur Hüfttotalendoprothetik oft mit 75 Jahre gesetzt werden soll (abhängig von Osteoporose, Geschlecht etc.). Dabei ist sicherlich die differenzierte Kinematik und das unterschiedliche Belastungsprofil der beiden Gelenke zu bedenken, die bisher eigentlich die Gründe für die zementaffine Vorgehensweise in der K-TEP waren. Eine rezente Arbeit, welche die zementfreie Technik bei fortgeschrittenem Alter untersuchte, konnte im kurzfristigen Nachverfolgungszeitraum von 2 Jahren keine schlechteren Ergebnisse erkennen [13].
Aufgrund des aktuell zunehmenden Trends zur zementfreien K-TEP-Implantation sind die Resultate dieser Arbeit daher umso interessanter [10, 13].
Obwohl die Ergebnisse sehr gut sind, zeigte sich bei uns kein komplett beschwerdefreies Patientenkollektiv postoperativ. Diese Ergebnisse sind kongruent zu bereits vorliegenden anderen zementierten wie zementfreien Studien [5, 8]. Ein wichtiger Aspekt ist daher eine klare Kommunikation mit den Patienten, einerseits mit Erfragung der Erwartung des Patienten nach K-TEP, andererseits realistischer Darlegung der postoperativen Situation hinsichtlich Beschwerdeverbesserung.
Auch bei noch sportlich aktiven Patienten mit ansonsten starken Arthrosebeschwerden kann die K-TEP empfohlen werden, da das sportliche Niveau postoperativ angehoben werden kann [14].
Unsere Empfehlung postoperativ gilt lediglich für „Low-impact“-Sportarten. Die Ausführung von „High-impact“-Sportarten kann nämlich zur Halbierung der Standzeit aufgrund von aseptischer Lockerung führen [2]. Hier muss erwähnt werden, dass auch Sportarten wie Squash oder Tennis auswählbar waren, welche zu den „High-impact“-Sportarten gehören.
Stärken dieser Studie sind, dass ein relativ langer Beobachtungszeitraum von 5 Jahren gewählt wurde. Da die Datenerhebung der PROM primär für eine andere Studie mit anderer Fragestellung stattgefunden hat, kann ein möglicher Interviewer-Bias ausgeschlossen werden. Die Verwendung von zwei verschiedene PROM mit postoperativ ausgezeichneter Korrelation stärkt das Ergebnis.
Eine Altersdifferenzierung wurde ebenfalls durchgeführt. Auch ist die spezifische Fragestellung mit klarem Outcome für die Nutzbarkeit der Ergebnisse in der Sprechstunde essenziell.
Mit den Ergebnissen dieser Studie kann dem Patienten reproduzierbar der starke Benefit einer K-TEP für das sportliche Aktivitätsniveau bestätigt werden. Die Lieblingsaktivitäten des Patienten können wieder aufgenommen und auch nach 5 Jahren Beobachtungszeitraum ausgeführt werden. Laut unseren Ergebnissen zeigen sich bei zementfreier Operationstechnik auch bei sportlicher Aktivität sehr gute Ergebnisse und keine Lockerungen im mittelfristigen Zeitraum.
Schwächen
Die größte Schwäche stellt das Fehlen einer Kontrollgruppe dar. Auch ist es keine prospektive Studie im engeren Sinn gewesen, zudem wäre eine größere Fallzahl von Vorteil gewesen.
Fazit für die Praxis
- Nach zementfreier Knietotalendoprothese besserten sich die Beschwerden der Patienten von „stark“ zu „wenig“ beim Ausüben ihrer Lieblingssportarten im gesamten Beobachtungsraum.
- Es zeigt sich ein dauerhaftes statistisch signifikantes Anheben des sportlichen Niveaus.
- Trotz zementfreier Technik, gemischtem Alter und sportlichem Anspruch zeigten sich im 5‑Jahres-Verlauf dieser Arbeit keine knöchernen Lockerungen.
Supplementary Information
Spearman-Korrelationskoeffizient KSS/KOOS-Grafik Übersichtstabelle: Statistische Signifikanzbewertung aller 3 Gruppen mit Altersgruppen
