Alcohol and trauma: Retrospective analysis of traumatological emergency room patients and alcohol consumption at a university tertiary care hospital
Josina Straub, Julia Elisabeth Lenz, Markus Zimmermann, Manuela Malsy

TL;DR
This study examines the link between alcohol consumption and trauma in emergency room patients, finding that alcohol significantly increases accident risk and injury severity.
Contribution
The study provides empirical data on alcohol-related trauma in a university hospital's emergency setting, emphasizing the need for public prevention measures.
Findings
16.1% of trauma patients had detectable blood alcohol levels.
Most alcohol-related accidents occurred between midnight and 4 AM, with 43.8% of patients in this time having ethanol in their blood.
Alcohol consumption was strongly associated with traffic accidents and increased injury severity scores.
Abstract
Seit Langem ist bekannt, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum einer Bevölkerung und der Häufigkeit von Unfällen gibt. Seit 1975 werden durch das Statistische Bundesamt Daten über Verkehrsunfälle mit polizeilich registriertem Personenschaden erhoben. Bei der Bewertung der Daten ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen, da nicht bei jedem Unfallbeteiligten konsekutiv der Ethanolgehalt im Blut erhoben wird. Die vermutlich beste Möglichkeit, alkoholbedingte Unfälle und Verletzungen zu erforschen, bieten daher Studien aus Notaufnahmen. Ziel der vorliegenden Studie war es, Patienten, die als traumatologischer Schockraum in einem universitären Maximalversorger vorstellig wurden, hinsichtlich einer konsekutiven Alkoholintoxikation zu untersuchen. Es erfolgte die retrospektive Analyse aller traumatologischen Schockraumpatienten eines Maximalversorgers in…
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Figure 5- —Universitätsklinikum Regensburg (8921)
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TopicsAlcohol Consumption and Health Effects · High Altitude and Hypoxia · Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) Research
International ist Alkohol einer der führenden Risikofaktoren für Unfälle und Verletzungen. Trotz eines erheblichen Rückgangs schwerer Verkehrsunfälle in den letzten Jahren ist Alkohol nach wie vor ein Hauptrisikofaktor für vorzeitige Sterblichkeit. Im Jahr 2021 starben etwa 1,8 Mio. Menschen weltweit an den Folgen ihres Alkoholkonsums. In Deutschland konsumieren 9 Millionen Menschen Alkohol in problematischer Weise und 1,6 Millionen gelten als alkoholabhängig [6]. Alkoholbedingte Verletzungen sind nicht nur ein Problem einer kleinen, stark konsumierenden Minderheit, sondern betreffen große Bevölkerungsteile. In dieser Arbeit wird das Ausmaß der konsekutiven Alkoholintoxikation bei traumatologischen Schockraumpatienten eines Maximalversorgers in Bayern von Januar 2021 bis Dezember 2024 analysiert.
Bereits seit Langem ist bekannt, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum einer Bevölkerung und der Häufigkeit von Unfällen oder Verletzungen gibt [1]. So können viele, akute Verletzungen in der Notaufnahme auf Alkoholkonsum zurückgeführt werden [2]. In zahlreichen Studien wurde dieser kausale Zusammenhang auch in Laborstudien bestätigt. Durch Alkoholkonsum kommt es durch eine akute Vergiftung des Körpers zu Koordinations‑, Sprach- und Sehstörungen sowie zu Verwirrtheit und Orientierungsstörungen [3]. Alkohol gilt zudem als intaktogen, also als eine Substanz „die Gemeinschaft stiftet“, und ist daher zu einem zentralen Bestandteil bei vielen Festen und Feierlichkeiten geworden [4]. Nach Angabe des globalen Statusberichts der Weltgesundheitsorganisation gehörte Deutschland im Jahr 2019 zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Alkoholkonsum [5]. So trinkt jeder Erwachsene im Schnitt pro Jahr etwa 12,2 l reinen Alkohol, entsprechend ca. 240 l Bier [6], und 9 Mio. Menschen haben einen problematischen Alkoholkonsum. Mit dem Begriff „problematischer Alkoholkonsum“ werden dabei Verhaltensweisen beschrieben, bei denen der Alkoholkonsum zu negativen Folgen, wie körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen, sozialen oder beruflichen Problemen oder zu Kontrollverlust, geführt haben. In Deutschland gelten 1,6 Mio. Menschen als alkoholabhängig [7].
Seit 1975 werden durch das Statistische Bundesamt Daten über Verkehrsunfälle mit polizeilich registriertem Personenschaden unter dem Einfluss berauschender Mittel erhoben. Dabei zeigt sich, dass sich insgesamt die Zahl der Alkoholunfälle mit Personenschaden seit 1975 um 73,6 % von 51.593 auf 13.628 im Jahr 2021 verringerte. Ferner verunglückte im Jahr 2021 bei Alkoholunfällen nur noch gut ein Fünftel der Personen von 1975, nämlich 16.426 anstelle von 76,578. Starben 1975 noch 21,4 % aller Verkehrstoten an den Folgen eines Alkoholunfalls, so waren es 2021 nur noch 6,4 %. Im Jahr 2021 wurde jedoch wieder ein Anstieg alkoholbedingter Unfälle im Vergleich zum Vorjahr (+4,8 %) beobachtet [8].
Bei der Bewertung der Daten ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen, da nicht bei jedem Unfallbeteiligten festgestellt wird, ob dieser unter dem Einfluss von Alkohol gestanden hat. Zudem werden Alleinunfälle, wie Leiter- oder Treppenstürze, aber auch Verkehrsunfälle bei dem, außer dem Fahrer, niemand weiteres beteiligt war, häufig polizeilich nicht registriert [8].
Die vermutlich beste Möglichkeit, alkoholbedingte Unfälle und Verletzungen zu erforschen, bieten daher Studien aus Notaufnahmen. Doch aktuelle Arbeiten hierzu gibt es kaum. Eine Studie aus der Notaufnahme der Lausanner Universitätsklinik aus dem Jahr 1993 von Yersin et al. zeigte, dass etwa 21 % aller Verkehrsunfälle, 5 % aller Arbeitsunfälle, 17 % aller Haushaltsunfälle und 35 % aller Unfälle im öffentlichen Raum als alkoholbedingt ermittelt wurden. Alkoholbedingt hieß in diesem Rahmen eine Blutalkoholkonzentration von 0,8 ‰ oder mehr. Eine weitere Studie aus dem Universitätsspital Lausanne aus dem Jahr 2007 zeigte, dass knapp 17 % aller Verletzungen bei Männern und 12 % bei Frauen auf Alkoholkonsum zurückzuführen waren [9].
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, alle Patienten, die als traumatologischer Schockraum in einem universitären Maximalversorger vorstellig wurden, hinsichtlich einer konsekutiven Alkoholintoxikation zu untersuchen.
Methodik
Datenerfassung
Es erfolgte die retrospektive Analyse aller Schockraumpatienten eines Maximalversorgers in Bayern. Hierfür wurden alle Patienten, welche über den traumatologischen Schockraum im Universitätsklinikum Regensburg von Anfang Januar 2021 bis Ende Dezember 2024 vorstellig wurden, analysiert. Eingeschlossen wurden alle Patienten ab dem 14. Lebensjahr, da diese laut dem Jugendschutzgesetz in Deutschland im Beisein eines Erziehungsberechtigten Alkohol konsumieren dürfen. Zeitlich wurden alle schockraumgeführten Notfälle, 24 h die Woche, registriert. Hierbei wurden neben dem Ethanolgehalt im Blut der Unfallmechanismus, die Schwere der Verletzung anhand des Injury Severity Score (ISS) sowie der tödliche Verlauf erfasst. Es erfolgte die Bestimmung der Laborwerte, inklusive Ethanolspiegel, entsprechend einer geltenden, hausinternen SOP für traumatologische Schockraumpatienten. Da nach den Erkenntnissen der internationalen Flugmedizin bereits bei 0,2 ‰ eine Leistungsbeeinträchtigung vorliegt, wurden Patienten ab einem Ethanolspiegel von 0,2 ‰ als alkoholisiert gewertet.
Des Weiteren wurden die laborchemischen Parameter, wie das mittlere, korpuskuläre Volumen (MCV) der Erythrozyten und die Gammaglutamyltransferase(γ-GT)-Aktivität bei alkoholisierten und nichtalkoholisierten Patienten betrachtet, um auf einen möglichen, chronischen Alkoholkonsum der Patienten schließen zu können [10]. Die laborchemische Untersuchung erfolgte unmittelbar nach Einlieferung des Patienten. Insgesamt konnten 1780 Patientendaten analysiert werden.
Statistische Analyse
Die Studie wurde von der Ethikkommission der Universität Regensburg (ID: 24-3999-104) genehmigt und gemäß der Deklaration von Helsinki durchgeführt. Die Daten wurden untersucht, um die Prävalenz einer konsekutiven Alkoholintoxikation bei Patienten, die in einem traumatologischen Schockraum in einem universitären Maximalversorger vorstellig wurden, zu identifizieren. Die statistische Analyse wurde mit dem Statistikprogramm SPSS (IBM SPSS Statistics, Version 30.0.0, Zürich, Schweiz) durchgeführt. Kategoriale Variablen wurden in Form von Häufigkeiten und Prozentangaben dargestellt. Deskriptive Statistiken wurden berechnet, um die Merkmale der traumatologischen Schockraumpatienten aufzuzeigen. Kontinuierliche Variablen wurden als Mittelwert und Standardabweichung präsentiert, kategoriale Variablen als Anzahl der Beobachtungen und Häufigkeiten.
Ergebnisse
Von Anfang Januar 2021 bis Ende Dezember 2024 wurden insgesamt 1780 verunfallte Patienten als traumatologischer Schockraum im Universitätsklinikum Regensburg vorstellig. 31 % davon waren Frauen und 69 % der Verletzten Männer. Die häufigsten Unfälle waren Verkehrsunfälle (58,7 %), gefolgt von Treppenstürzen (8,3 %) und Stürzen aus großer Höhe (8,2 %). Dabei wurden insgesamt 347 berufsgenossenschaftliche Unfälle registriert. Das durchschnittliche Alter betrug 46,1 Jahre (Tab. 1).Tab. 1Epidemiologische Daten aller traumatologischer Schockraumpatienten der Jahre 2021–2024Gesamtanzahl2021202220232024Traumatologische SchockraumpatientenAnzahl1780495488383414Weiblich552173157105117Männlich1228322331278297UnfallartenVerkehrsunfälle1044312290208234Treppenstürze14843403728Sturz aus großer Höhe14629451953Stolpersturz13831393533Leiterstürze8936172511Einklemmung677142521Messerstecherei418101112Reitunfall3213937Forstunfall233398Schlägerei203566Andere32101651Anteil berufsgenossenschaftlicher Unfälle19,6 %18,4 %17,6 %21,4 %21,7 %Durchschnittsalter in Jahren46,1 (± 21,1)44,3 (± 21,4)46,5 (± 20,6)48,1 (± 21,3)45,8 (± 21,1)±-Werte Standardabweichung
Bei insgesamt 286 Patienten wurde ein Ethanolspiegel im Blut von mindestens 0,2 ‰ festgestellt, sodass 16,1 % aller eingelieferten Patienten alkoholintoxikiert waren. Hiervon waren 13,2 % der Patienten männlich und 2,8 % weiblich.
Als Marker des chronischen Alkoholkonsum bei nichtalkoholisierten, traumatologischen Schockraumpatienten wurden ein durchschnittliches mittleres, korpuskuläres Volumen (MCV) der Erythrozyten von 87,7 fl ± 4,7 fl (Normwert: 79–94 fl) und eine durchschnittliche Gammaglutamyltransferase(γ-GT)-Aktivität von 35,1 U/l ± 58,9 U/l (Normwert: 5–38 U/l) identifiziert. Bei alkoholisierten Patienten wurden ein durchschnittliches mittleres, korpuskuläres Volumen (MCV) der Erythrozyten von 90,4 fl ± 5,9 fl (Normwert: 79–94 fl) und eine durchschnittliche Gammaglutamyltransferase(γ-GT)-Aktivität von 75,1 U/l ± 120,5 U/l (Normwert: 5–38 U/l) als Marker des chronischen Alkoholkonsum erhoben (Tab. 2).Tab. 2Laborwerte der eingelieferten traumatologischen SchockraumpatientenGesamtanzahl2021202220232024Akuter MarkerEthanol ≥ 0,2 ‰28665905972Prozentualer Anteil bezogen auf die Gesamtzahl16,1 %13,1 %18,4 %15,4 %17,4 %Weiblich50 (2,8 %)12 (2,4 %)13 (2,7 %)5 (1,3 %)20 (4,8 %)Männlich236 (13,2 %)53 (10,7 %)77 (15,7 %)54 (14,1 %)52 (12,6 %)Ethanolspitzenwert in ‰5,062,293,863,905,06Chronischer Marker bei nichtalkoholisierten PatientenMCV in fl87,7 (± 4,7)88,4 (± 4,1)86,7 (± 4,2)87,2 (± 4,7)88,3 (± 4,2)γ‑GT in U/I35,1 (± 58,9)34,6 (± 60,5)34,5 (± 60,2)35,5 (± 57,9)35,9 (± 58,4)Chronischer Marker bei alkoholisierten PatientenMCV in fl90,4 (± 5,9)89,4 (± 5,2)89,9 (± 5,3)90,8 (± 4,8)91,4 (± 5,7)γ‑GT in U/I75,1 (± 120,5)74,7 (± 117,5)75,8 (± 118,7)75,5 (± 124,7)74,6 (± 121,8)±-Werte Standardabweichung
Zeitlich wurden hierbei in den späten Abend- und frühen Morgenstunden sowie an den Wochenendtagen Samstag und Sonntag die meisten alkoholintoxikierten Patienten beobachtet. Die wenigsten Alkoholunfälle ereigneten sich montags. Im Verlauf der Woche kam es zu einer stetigen Zunahme alkoholisierter Verletzte, bevor der Höhepunkt am Samstag erreicht wurde.
Uhrzeitlich verunfallten die meisten Patienten am Nachmittag zwischen 12 Uhr und 20 Uhr, wobei hierbei etwa jeder 10. Patient einen Blutalkoholspiegel ≥ 0,2 ‰ aufwies. Die wenigsten Alkoholunfälle ereigneten sich in den Morgenstunden zwischen 4 Uhr und 12 Uhr. In der Zeit zwischen 0 Uhr und 4 Uhr konnte bei 43,8 % der eingelieferten Schockraumpatienten Ethanol im Blut nachgewiesen werden (Abb. 1).Abb. 1Alkoholunfälle, differenziert nach der Tages- (a) und Wochenzeit (b)
Wird der Blutalkoholspiegel im Verhältnis zur Tageszeit korreliert, ist festzustellen, dass Patienten mit erhöhten Promillewerte > 2,6 ‰ ausschließlich ab den Mittagsstunden bis morgens um 4 Uhr verunfallen und als traumatologischer Schockraum eingeliefert werden. Die meisten alkoholintoxikierten Patienten werden in der Zeit zwischen 20 Uhr und 4 Uhr eingeliefert und haben einen Blutalkoholspiegel zwischen 1,1 ‰ und 1,69 ‰ (Abb. 2).Abb. 2Blutalkoholspiegel in Promille nach der Tageszeit
Die kombinierte Betrachtungsweise nach der Höhe des Promillewerts und dem Alter verunfallter Patienten zeigt auf, dass besonders häufig in den Altersgruppen zwischen 34 und 43 Jahren, 44 und 53 Jahren sowie 54 und 63 Jahren erhöhte Blutpromillewerte > 2,3 ‰ detektiert werden konnten. Der gemessene Spitzenwert lag bei 5,06 ‰ im Blut nach unmittelbarer Einlieferung im Schockraum. Die meisten Patienten in der Altersgruppe zwischen 14 und 23 Jahren bzw. 24 und 33 Jahren wiesen einen Blutalkoholwert zwischen 0,8 ‰ und 2,3 ‰ auf. Vergleichbare Werte fanden sich auch bei Patienten ab 64 Jahren und älter (Abb. 3).Abb. 3Korrelation des Blutalkoholpromillewerts mit dem Alter der verunfallten Patienten
Bezüglich des Unfallmechanismus zeigten alle aufgenommenen Unfallpatienten etwa den gleichen Verletzungsgrad mit einem durchschnittlichen Injury Severity Score zwischen 9,4 und 14,4. Von 1104 Patienten, die nach einem Verkehrsunfall eingeliefert wurden, konnte bei 142 Patienten (12,9 %) Ethanol im Blut nachgewiesen werden. Hierbei zeigten sich Anteile von 11,9 % im Jahr 2021, 14,1 % im Jahr 2022, 9,6 % im Jahr 2023 und 18,8 % im Jahr 2024. Der durchschnittliche Blut-Promille-Gehalt lag bei 1,47 ‰ ± 0,81 ‰. Patienten, die nach einem Treppensturz in den traumatologischen Schockraum eingeliefert wurden, waren in 24,3 % der Fälle alkoholintoxikiert. Der durchschnittliche Blut-Promille-Gehalt lag hierbei bei 1,65 ‰ ± 0,83 ‰. Bei 19,2 % der Patienten konnte nach einem Sturz aus großer Höhe Ethanol nachgewiesen werden, wobei ein durchschnittlicher Ethanolgehalt von 1,47 ‰ ± 0,84 ‰ festgestellt wurde. Bei Patienten nach einem Stolpersturz konnte in 29,7 % der Patienten Ethanol nachgewiesen werden, sodass der durchschnittliche Alkoholgehalt bei 1,89 ‰ ± 0,82 ‰ lag. Lag eine Einklemmung als Unfallmechanismus vor, konnte bei 10,4 % der Patienten Alkohol im Blut nachgewiesen werden. Der durchschnittliche Blut-Promille-Gehalt lag bei 1,47 ‰ ± 0,50 ‰.
Insgesamt verstarben 23 von insgesamt 1780 eingelieferten Patienten im analysierten Zeitraum von 2021 bis 2024 im Schockraum an ihren schweren Verletzungen und 67 weitere Patienten innerhalb der nächsten 4 Wochen während ihres Krankenhausaufenthalts. Hiervon waren 17,6 % der Verunfallten alkoholisiert mit einem durchschnittlichen Ethanolgehalt von 1,23 ‰ ± 0,85 ‰ (Tab. 3).Tab. 3Unfallart, Verletzungsschwere und die Korrelation mit der AlkoholintoxikationGesamtanzahl2021202220232024Verkehrsunfälle1097312288204233Injury Severity Score (ISS)11,4 ± 14,610,9 ± 15,310,7 ± 13,013,9 ± 16,412,3 ± 14,3Exitus im Schockraum16 (1,5 %)7 (2,2 %)0 (0 %)3 (1,4 %)6 (2,6 %)Exitus innerhalb 4 Wochen22 (2,1 %)6 (1,9 %)3 (1 %)6 (2,9 %)7 (3,0 %)Ethanolgehalt bestimmt945 (90,5 %)291 (93,3 %)259 (89,3 %)184 (88,5 %)211 (90,2 %)Ethanol ≥ 0,2 ‰ im Blut142 (12,9 %)37 (11,9 %)41 (14,1 %)20 (9,6 %)44 (18,8 %)Durchschnittlicher Blut-Promille-Gehalt1,47 ± 0,811,50 ± 0,681,54 ± 0,691,21 ± 0,691,48 ± 1,05Treppenstürze14843403728Injury-Severity-Score (ISS)13,6 ± 14,915,8 ± 19,614,0 ± 11,812,4 ± 14,911,3 ± 9,5Exitus im Schockraum1 (0,7 %)1 (2,3 %)0 (0 %)0 (0 %)0 (0 %)Exitus innerhalb 4 Wochen12 (8,1 %)3 (7,0 %)3 (7,5 %)3 (8,1 %)3 (10,7 %)Ethanol abgenommen129 (87,2 %)36 (83,7 %)34 (85,0 %)35 (94,6 %)24 (85,7 %)Ethanol ≥ 0,2 ‰ im Blut36 (24,3 %)7 (16,3 %)13 (32,5 %)10 (27 %)6 (21,4 %)Durchschnittlicher Blut-Promille-Gehalt1,65 ± 0,831,37 ± 0,641,63 ± 0,901,99 ± 0,871,42 ± 0,78Sturz großer Höhe14428451952Injury Severity Score (ISS)14,4 ± 15,810,38 ± 15,417,6 ± 15,614,5 ± 18,613,8 ± 15,0Exitus im Schockraum3 (2,1 %)1 (3,4 %)1 (2,2 %)0 (0 %)1 (1,9 %)Exitus innerhalb 4 Wochen6 (4,1 %)0 (0 %)3 (6,7 %)2 (10,5 %)1 (1,9 %)Ethanol abgenommen129 (88,4 %)28 (96,6 %)40 (88,9 %)17 (89,5 %)44 (83,0 %)Ethanol ≥ 0,2 ‰ im Blut28 (19,2 %)7 (24,1 %)6 (13,3 %)7 (36,8 %)8 (15,1 %)Durchschnittlicher Blut-Promille-Gehalt1,47 ± 0,841,18 ± 0,792,13 ± 0,781,58 ± 1,001,25 ± 0,68Stolpersturz13831393533Injury Severity Score (ISS)10,1 ± 9,913,1 ± 8,99,3 ± 10,88,5 ± 10,510,2 ± 8,9Exitus im Schockraum2 (1,4 %)0 (0 %)1 (2,6 %)0 (0 %)1 (3,0 %)Exitus innerhalb 4 Wochen15 (10,9 %)5 (16,1 %)4 (10,3 %)6 (17,1 %)0 (0 %)Ethanol abgenommen123 (89,1 %)28 (90,3 %)38 (97,6 %)28 (80 %)29 (87,9 %)Ethanol ≥ 0,2 ‰ im Blut41 (29,7 %)4 (12,9 %)17 (43,6 %)13 (37,1 %)7 (21,2 %)Durchschnittlicher Blut-Promille-Gehalt1,89 ± 0,821,96 ± 0,312,01 ± 1,002,01 ± 0,651,40 ± 0,67Leiterstürze8936172511Injury Severity Score (ISS)13,8 ± 12,716,1 ± 12,617,1 ± 14,611,6 ± 12,36,8 ± 6,7Exitus im Schockraum00000Exitus innerhalb 4 Wochen1 (1,1 %)0 (0 %)1 (5,9 %)0 (0 %)0 (0 %)Ethanol abgenommen83 (93,3 %)36 (100 %)16 (94,1 %)22 (88 %)11 (100 %)Ethanol ≥ 0,2 ‰ im Blut6 (4,5 %)2 (5,6 %)0 (0 %)3 (12 %)0 (0 %)Durchschnittlicher Blut-Promille-Gehalt1,11 ± 0,621,25 ± 0,210,0 ± 0,01,40 ± 0,600,0 ± 0,00Einklemmung677142521Injury Severity Score (ISS)9,4 ± 10,46,9 ± 6,67,3 ± 8,412,6 ± 12,67,7 ± 9,1Exitus im Schockraum0 (0 %)0 (0 %)0 (0 %)0 (0 %)0 (0 %)Exitus innerhalb 4 Wochen1 (1,5 %)0 (0 %)0 (0 %)0 (0 %)1 (4,8 %)Ethanol abgenommen59 (88,1 %)7 (100 %)11 (78,6 %)23 (92,0 %)18 (85,7 %)Ethanol ≥ 0,2 ‰ im Blut7 (10,4 %)0 (0 %)1 (7,1 %)2 (8,0 %)4 (19 %)Durchschnittlicher Blut-Promille-Gehalt1,47 ± 0,500,0 ± 0,002,08 ± 0,000,86 ± 0,061,62 ± 0,28Verstorbene PatientenGesamtzahl9024202422Alkoholisierte Verstorbene166334Durchschnittlicher Blut-Promille-Gehalt1,23 ± 0,851,51 ± 1,100,92 ± 0,691,02 ± 0,951,26 ± 0,71*±-Werte* Standardabweichung
Diskussion
International ist Alkohol einer der führenden Risikofaktoren für Krankenhausaufenthalte, Verletzungen und Unfälle. Im Jahr 2021 starben etwa 1,8 Mio. Menschen weltweit an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Ebenso ist laut den Ergebnissen der Global-Burden-of-Disease-Studie Alkoholgenuss auf Platz 10 einer der Hauptrisikofaktoren für vorzeitige Sterblichkeit und verlorene Lebensjahre infolge von Krankheit und Behinderung [11]. So entstehen in Deutschland allein jedes Jahr volkswirtschaftliche Kosten von ca. 57 Mrd. € durch Alkoholkonsum und dessen Folgen. Diese Aufwendungen umfassen sowohl direkte medizinische Ausgaben als auch indirekte Kosten durch Produktivitätsverluste, vorzeitige Verrentung und Sterblichkeit [12].
Gmell et al. kamen 2007 bei ihrer Studie aus der Schweiz zu dem Fazit, dass alkoholbedingte Verletzungen nicht nur ein Problem einer kleinen, stark konsumierenden Minderheit sind, sondern große Bevölkerungsteile betreffen [9]. Auch in der vorliegenden Studie zeigte sich, dass 16,1 % aller traumatologischen Schockraumpatienten Alkohol konsumiert haben. So war ein weiteres Fazit, dass selbst kleine Mengen von Ethanol mit erhöhten Risiken für Verletzungen assoziiert sind und präventive Maßnahmen an der Allgemeinbevölkerung ausgerichtet sein müssten [9].
Laut Statistischem Bundesamt haben 70,4 % der Pkw-Fahrer, die unter Alkoholeinfluss einen Unfall mit Personenschaden im Jahr 2021 verursacht haben, einen Blut-Promille-Wert von mindestens 1,1 ‰ [8]. Auch zeigt unsere Studie, dass die meisten, verunfallten Patienten, die alkoholintoxikiert in den Schockraum eingeliefert wurden, einen Promillewert von 1,55 ‰ ± 0,80 ‰ hatten. Patienten, die an ihren schweren Verletzungen verstarben und alkoholintoxikiert eingeliefert wurden, wiesen im Durchschnitt ein Blutalkohol-Promille-Wert von 1,23 ‰ ± 0,85 ‰ auf.
Als präventive Maßnahme zur Senkung alkoholbedingter Unfälle im Straßenverkehr wurde vom Bundesgerichtshof, historisch gesehen, erstmals 1953 eine Promillegrenze von 1,5 ‰ für Autofahrer eingeführt. Diese wurde im Jahr 1966 auf 1,3 ‰ hinabgestuft. Ab dem 26.07.1973 galt eine Promillegrenze von 0,8 ‰, und erstmals wurde festgesetzt, dass bei Überschreitung eine Ordnungswidrigkeit gemäß § 24a des Straßenverkehrsgesetzes entstand. Am 01.05.1998 wurde diese Grenze auf 0,5 ‰ reduziert [13]. Die Polizei konnte und kann jedoch ab einem Alkoholwert von 0,15 mg/l Alkohol in der Atemluft, entsprechend 0,3 ‰, bei im Straßenverkehr auffällig gewordene Untersuchten einen Unfall als alkoholbeeinflusst einstufen [8].
Durch die präventive Einführung der Promillegrenze wird seitdem ein kontinuierlicher Rückgang alkoholbedingter Verkehrsunfälle verzeichnet [13].
Zudem wird seit 2012 als weitere vorbeugende Maßnahme in Deutschland mit führenden Unfallkliniken ein bundesweites Unfallpräventionsprogramm der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie durchgeführt. P.A.R.T.Y. ist die Abkürzung für „Prevent Alcohol and Risk-Related Trauma in Youth“ und stammt aus Kanada. Frei übersetzt geht es um die Prävention von durch Alkohol und risikoreiches Verhalten verursachte Verletzungen bei Jugendlichen. Hierbei wird durch eine Hospitation in der Notaufnahme und auf der Intensivstation im Krankenhaus über Verletzungen, die durch risikoreiches Verhalten im Straßenverkehr verursacht werden, aufgeklärt [14].
Doch trotz dieser präventiven Maßnahmen ist seit 2021, nach jahrelanger Abnahme, ein Wiederanstieg alkoholbedingter Unfälle im Straßenverkehr zu detektieren. Parallel dazu nimmt die Zahl der alkoholisierten Patienten im traumatologischen Schockraum zu. In unserer Analyse zeigten sich Anteile von 13,1 % im Jahr 2021, 18,4 % im Jahr 2022, 15,4 % im Jahr 2023 und 17,4 % im Jahr 2024. Mögliche Gründe hierfür bleiben unklar.
Limitationen
Obwohl die Ergebnisse dieser Untersuchung vielversprechend sind, gibt es zu berücksichtigende Limitationen. Erstens beschränkt sich die Analyse auf das Universitätsklinikum Regensburg in Bayern, weshalb eine Generalisierung der Ergebnisse nur eingeschränkt möglich ist. Zukünftige Ergebnisse sollten daher eine größere Stichprobe miteinbeziehen, um eine größere Übertragbarkeit der Ergebnisse zu erreichen. Zweitens ist aufgrund des retrospektiven Studiendesigns kein Kausalzusammenhang zwischen der Verletzungsschwere und dem Alkoholpromillegehalt möglich. Es wurde der Ethanolgehalt bei 89,8 % aller Schockraumpatienten erhoben.
Ausblick
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Alkohol auch heute noch ein entscheidender Risikofaktor für Unfälle im Straßenverkehr, Verletzungen und Sterblichkeit darstellt. Die vorliegende Studie liefert wichtige Daten zum wahren Ausmaß alkoholbedingter Unfälle in der Schwerverletztenversorgung.
Das Bewusstsein für den Risikofaktor Alkohol muss geschärft und erneut in den Fokus gestellt werden. Denn nur durch zusätzliche volksnahe, präventive Maßnahmen, wie Aufklärungen, aber auch ggf. Verbote und Sanktionen, kann eine weitere Abnahme risikoreichen Alkoholkonsums in der Bevölkerung erreicht werden.
Fazit für die Praxis
- Bereits seit Langem ist bekannt, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum einer Bevölkerung und der Häufigkeit von Unfällen oder Verletzungen gibt.
- Alkohol ist auch heute noch ein entscheidender Risikofaktor für Unfälle im Straßenverkehr, Verletzungen und Sterblichkeit.
- Patienten, die alkoholisiert im traumatologischen Schockraum eines universitären Maximalversorgers eingeliefert wurden, wiesen im Durchschnitt einen Promillewert von 1,55 ± 0,80 ‰ auf.
- In der Zeit zwischen 0 Uhr und 4 Uhr konnte bei 43,8 % der eingelieferten Schockraumpatienten Ethanol im Blut nachgewiesen werden.
- Trotz präventiver Maßnahmen muss das Bewusstsein für den Risikofaktor Alkohol wieder geschärft und in den Fokus gestellt werden.
The reference list from the paper itself. Each links out to its DOI / PubMed record.
- 1Bundesministerium für Gesundheit (2025) Sucht und Drogen. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/sucht-und-drogen.html. Zugegriffen: 10. Jan. 2025
- 2Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) (2025) P.A.R.T.Y. – Unfallprävention für Jugendliche. https://www.dgu-online.de/versorgung-wissenschaft/qualitaet-und-sicherheit/party-unfallpraevention-fuer-jugendliche. Zugegriffen: 10. Jan. 2025
