Quality of life after in-hospital cardiac arrest: An 11-year experience from an university center
Benedikt Treml, Christine Eckhardt, Christoph Oberleitner, Thomas Ploner, Christopher Rugg, Aleksandra Radovanovic Spurnic, Sasa Rajsic

TL;DR
This study examines the quality of life after in-hospital cardiac arrest and finds it remains largely unchanged, though mobility and mental health may decline.
Contribution
The study provides new insights into quality of life after in-hospital cardiac arrest, focusing on long-term outcomes and risk factors.
Findings
Survivors of in-hospital cardiac arrest showed no significant change in quality of life before and after the event.
Patients reported worsened mobility and increased anxiety/depression after the cardiac arrest.
A surgical hospital admission was associated with better quality of life outcomes compared to medical admissions.
Abstract
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand (HKS) ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der weltweit eine der häufigsten Todesursachen darstellt. Die Literatur bezüglich der Lebensqualität nach kardiopulmonaler Reanimation ist limitiert und beinhaltet hauptsächlich Daten von HKS außerhalb des Krankenhauses. Diese könnten sich bezüglich Epidemiologie und Outcome von innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen (IHCA) unterscheiden. Ziel dieser Studie war es, die Lebensqualität mittels EQ-5D-5L-Fragebogen nach einem IHCA zu untersuchen und mögliche Risikofaktoren für ein schlechteres Outcome zu ermitteln. Diese retrospektive Datenanalyse und prospektive Erhebung der Lebensqualität umfasste alle Patient:innen, die einen IHCA im Zeitraum von 2010 bis 2020 überlebten. Der primäre Endpunkt der Studie war die Lebensqualität am Stichtag nach einem IHCA. Sekundäre Endpunkte umfassten Prädiktoren für ein…
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Figure 1
Figure 2- —University of Innsbruck and Medical University of Innsbruck
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TopicsHistorical and Linguistic Studies · Language, Linguistics, Cultural Analysis · Medieval History and Crusades
Hintergrund und Fragestellung
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand (HKS) ist zweifellos ein lebensbedrohlicher Zustand, der eine dringende medizinische Versorgung erfordert und weltweit eine der häufigsten Todesursachen darstellt [1]. Die Inzidenz eines innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstandes (IHCA) liegt in Europa bei 1,5 bis 2,8 Ereignissen/1000 Krankenhauseinweisungen. Die Überlebensrate, als wichtigster Outcome-Parameter, beträgt nach IHCA 12 % bis maximal 25 % [2–4]. Darüber hinaus soll das Überleben mit möglichst gutem neurologischen Outcome vergesellschaftet sein. Dazu können der neurologische Zustand mithilfe der „Cognitive Performance Category (CPC) Scale“ bzw. die Selbstständigkeit der Patient:innen und die Aktivitäten des täglichen Lebens z. B. mit der modifizierten Rankin Skala abgeschätzt werden [5]. Seit dem Statement des Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) aus dem Jahr 2018, welches die Vereinheitlichung der Outcome Parameter nach einem HKS zum Ziel hatte, rückte die Lebensqualität als zusätzlicher Parameter zur Prognoseabschätzung in den Fokus. Diese Empfehlung der ILCOR beinhaltet in ihrem „Core Outcome Set“, zusätzlich zur Erhebung der Überlebensrate und des neurologischen Zustands, die Bestimmung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität [6]. Jahre später existiert dazu jedoch nach wie vor eine überschaubare Evidenz [7–19]. Der Großteil der Daten zur Lebensqualität nach kardiopulmonaler Reanimation stammt aus Studien zum OHCA, wobei unterschiedliche ätiologische und epidemiologische Faktoren, nicht nur für die Überlebensrate, sondern auch für die Lebensqualität entscheidend sein könnten [11–24]. Vergleiche von Lebensqualität von und nach IHCA sind spärlich [9–11].
Die Ziele dieser Studie waren einerseits die Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität mithilfe des EQ-5D-5L bei IHCA-Patient:innen vor und nach dem Ereignis sowie die Evaluierung von möglichen Risikofaktoren für ein schlechteres Outcome.
Studiendesign und Untersuchungsmethoden
In diese retrospektive Datenanalyse mit Erhebung der Lebensqualität vor und nach einem IHCA wurden Patient:innen eingeschlossen, welche zwischen Januar 2010 und Dezember 2020 einen IHCA erlitten und folgende Einschlusskriterien erfüllten: Überleben bis zum Stichtag der Lebensqualitätevaluierung (14.09.2021), Alter > 18 Jahre und aktueller Wohnsitz zum Stichtag in Österreich.
Diese Arbeit wurde entsprechend der Erklärung Strengthening the Reporting of Observational Studies in Epidemiology (STROBE, Zusatzmaterial online: Tabelle E1) und in Übereinstimmung mit der Konsenserklärung des International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) verfasst [25]. Diese Studie wurde von der Ethikkommission der Medizinischen Universität Innsbruck, Österreich genehmigt (1151/2021).
Zielsetzungen
Das primäre Ziel dieser Studie war die Evaluierung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität mittels EQ-5D-5L-Fragebogen vor und nach einem IHCA [27]. Zudem sollten Prädiktoren und Risikofaktoren für ein schlechteres Outcome nach einem IHCA ermittelt werden.
Auswahl der Patient:innen
Alle Patient:innen, die im Zeitraum zwischen Januar 2010 und Dezember 2020 einen IHCA im Universitätsklinikum der Medizinischen Universität Innsbruck erlitten und überlebten, wurden schriftlich über eine mögliche Studienteilnahme informiert. Nach Einholen der Einverständniserklärung wurde den Studienpatient:innen 2 Exemplare des EQ-5D-5L-Fragebogen zu Evaluierung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität vor und nach einem IHCA zugeschickt.
Datenerhebung
Die retrospektive Datenextraktion umfasste folgende Parameter:
- soziodemografische Eigenschaften, den Simplified Acute Physiology Score III (SAPS III) und den Charlson-Komorbiditäts-Score, die Erkrankung, die zur Hospitalisierung führte, die kardiopulmonale Reanimation in der Vorgeschichte, detaillierte Informationen über Komorbiditäten, die Einnahme verschiedener Medikamente und Vitalparameter von 48 h und 24 h vor dem HKS;
- Umstände des HKS, Einzelheiten der Intervention des Notfallteams, Werte der ersten Blutgasanalyse und den nachfolgenden Analysen während des Aufenthalts auf der Intensivstation.
Prospektiv wurde die Lebensqualität mittels EQ-5D-5L erhoben. Hierfür erhielten die Studienteilnehmer:innen 2 Versionen des Fragebogens und wurden gebeten, den Fragebogen einmal rückblickend, dem Zustand vor dem IHCA, und einmal dem aktuellen Zustand entsprechend dem Zustand nach dem IHCA, auszufüllen. Zur Erhöhung der Rücklaufquote wurden die Patient:innen mehrmalig kontaktiert, das Porto für die Rückensendung wurde übernommen sowie telefonische Hilfestellung beim Ausfüllen des Fragebogens angeboten.
Erhebung der Mortalität
Die Mortalität wurde zum Stichtag des Versendens der Lebensqualitätfragebogen erhoben.
Behandlung der Patient:innen mit einem IHCA
Die Notfallteams, die rund um die Uhr für die Versorgung der IHCA verantwortlich sind, (strukturierte Alarmkriterien „Single Track and Trigger System“ laut ERC-Leitlinien) bestanden aus mindestens einem Intensivmediziner und 2 Intensivpflegekräften [26]. Je nach Ort des Notfalls wurde ein Notfallteam entweder von der anästhesiologischen oder der internistischen Intensivstation entsandt. Nach der Reanimation wurden alle Patient:innen auf einer der Kategoie-3-Intensivstationen der Univ.-Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin oder der Inneren Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck, Österreich, behandelt.
Gesundheitsbezogene Lebensqualität
Der EQ-5D-5L ist ein validierter, patientenorientierter Fragebogen, welcher die gesundheitsbezogene Lebensqualität in 5 Dimensionen evaluiert [27]. Diese beinhalten Mobilität, Selbstversorgung, Schmerzen/Beschwerden, gewohnte Aktivität und Angst/Depression in einem Punktebewertungssystem, wovon sich der EQ-Index-Wert ableitet [27, 28]. In jeder Dimension sind 5 Stufen zur Beschreibung der Lebensqualität vorgesehen: keine Probleme, leichte Probleme, mäßige Probleme, schwere Probleme und extrem/unmöglich. Zudem erhebt dieser Fragebogen eine visuelle Analogskala (VAS), die von 0 bis 100 reicht, wobei 0 den Tod und 100 den bestmöglichen Gesundheitszustand bedeuten.
Statistik
Die statistischen Analysen wurden mit IBM SPSS (Version 22.0, freigegeben 2013; Fa. IBM Corp., Armonk, NY, USA) durchgeführt. Es wurde ein Signifikanzniveau von p < 0,05 angewendet, und alle statistischen Auswertungen waren zweiseitig. Die Ergebnisse werden als Mittelwert (Standardabweichung), Häufigkeit (in Prozent) und Median (Bereich, Minimum-Maximum) dargestellt. Ein t-Test für unabhängige Stichproben und Mann-Whitney-U-Test wurden entsprechend der Normalverteilung angewendet. Assoziationsanalysen wurden mittels Chi-Quadrat-Test und Exakter Fishers-Test erhoben. Anhand der Differenz des EQ-Index vor und nach dem IHCA wurden die Patient:innen in 2 Gruppen eingeteilt: Patient:innen mit einer Verbesserung (alle Patient:innen mit gleicher oder positives Delta im EQ-Index) und Patient:innen mit einer Verschlechterung der Lebensqualität (alle Patient:innen mit negativer Differenz im EQ-Index).
Ergebnisse
In einem Zeitraum von 11 Jahren wurden 2184 innerklinische Notfalleinsätze durchgeführt, von denen 645 auf einen HKS zurückzuführen waren. Bei 604 Patient:innen wurde eine kardiopulmonale Reanimation eingeleitet, bei 44 Patient:innen wurde aufgrund einer aufrechten „Do-not-resuscitate“-Anweisung auf eine Reanimation verzichtet. Von allen reanimierten Patient:innen waren 61 (10 %) am 14.09.2021 am Leben. Zwischen dem IHCA und der ersten Kontaktaufnahme im Rahmen der Studie vergingen zwischen 9 und 140 Monate. Von insgesamt 61 Patient:innen erfüllten 48 (79 %) die Einschlusskriterien. Von 48 versandten Fragebogen wurden 31 (65 %) komplett ausgefüllt und konnten in die Studienauswertung eingeschlossen werden. Elf Patient:innen gaben trotz Nachfrage keine Rückantwort. Die Rücklaufquote betrug somit 64,5 % (Abb. 1).Abb. 1Flussdiagramm: Studiendesign. CPR kardiopulmonale Reanimation
Die demografischen und klinischen Patientencharakteristika sind in Tab. 1 und 2 zusammengefasst.Tab. 1Demografie und medizinische Vorgeschichten der eingeschlossenen Patient:innen (n = 31)Patient:innen-Charakteristikan (%)Alter (Jahre)66,2 ± 12,3Männliches Geschlecht21 (67,7)Body-Mass-Index (kg/m^2^)27,4 ± 6,9Präklinischer Herz-Kreislauf-Stillstand4 (12,9)Krankenhausaufenthalt (Tage)16 (2–335)ICU-Aufenthalt (Tage)2 (0–20)Klinische ScoresSAPS III Score51,2 ± 13,1Charlson Comorbidity Index4,2 ± 2,4KrankenhausaufnahmeAmbulant/nicht stationär3 (9,7)Stationär24 (77,4)Notfallaufnahme4 (12,9)Dauermedikationβ‑Blocker14 (45,2)ACE-Hemmer9 (29,0)Antiarrhythmika1 (3,2)Antikoagulation12 (38,7)Antidiabetika3 (9,7)Chemotherapie1 (3,2)Die Daten sind angegeben als Mittelwert ± Standardabweichung, Median (Minimum bis Maximum) oder Anzahl (n) der Patient:innen (Anteil [%] in Klammern)ACE „angiotensin-converting enzyme“, SAPS Simplified Acute Physiology Score, ICU IntensivstationTab. 2Medizinische Vorgeschichten der eingeschlossenen Patient:innen (n = 31)Komorbiditäten und Risikofaktorenn (%)Rauchen9 (29,0)Arterielle Hypertonie24 (77,4)Dyslipidämie12 (38,7)Koronare Herzkrankheit16 (51,6)Vorheriger Myokardinfarkt7 (22,6)Vorherige Arrhythmien3 (9,7)Vorhofflimmern8 (29,0)Kongestive Herzinsuffizienz0 (0,0)Herzoperation in Vorerkrankungen7 (22,6)Reanimation in Vorerkrankungen4 (12,9)Pulmonalembolie3 (9,7)pAVK3 (9,7)Zerebrovaskuläre Erkrankung6 (19,4)Chron. Lungenerkrankung2 (6,5)Diabetes mellitus (DM)4 (12,9)DM mit Endorganschaden0 (0,0)Chronische Lebererkrankung1 (3,2)Chronische Nierenerkrankung4 (12,9)Chronische Dialyse0 (0,0)Malignität/Tumor6 (19,4)Die Daten sind angegeben als Anzahl (n) der Patient:innen (Anteil [%] in Klammern). Zerebrovaskuläre Erkrankung umfassen Schlaganfall, transiente ischämische Attacke und intrakranielle Blutung, Lungenerkrankungen umfassen Asthma und chronisch obstruktive LungenerkrankungpAVK periphere arterielle Verschlusskrankheit
Von 28 (90 %) beobachteten IHCA waren 16 (52 %) Patient:innen vor und während des IHCA monitorisiert. Hierbei wurde bei 9 (60 %) Patient:innen vor dem IHCA ein Sinusrhythmus, bei 3 (27 %) ein funktionierender Herzschrittmacherrhythmus und bei 2 Patient:innen Vorhofflimmern aufgezeichnet. Bei 29 (94 %) Patient:innen wurde beim Eintreffen des Notfallteams eine Herzdruckmassage und bei 18 (58 %) Patient:innen wurde eine automatische externe Defibrillation durchgeführt. Kammerflimmern oder Kammertachykardie waren die häufigsten dokumentierten initialen EKG-Rhythmen, gefolgt von 6 (21 %) Patient:innen mit einer Asystolie. Brustschmerzen wurden bei 10 (32 %) Patient:innen kurz vor dem Notruf angegeben. Es gab keine Unterschiede in den dokumentierten Vitalparametern (Körpertemperatur, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung im Blut) oder in den Bedingungen vor dem Herz-Kreislauf-Stillstand, Tab. 3.Tab. 3Grund der Krankenhauseinweisung und Charakteristika der eingeschlossenen Patient:innen unmittelbar vor dem IHCA (n = 31)Alle Patient:innen(n = 31)QoL Verschlechterung(n = 14)QoL Verbesserung(n = 17)p-WertFehlende Daten(n/alle)Grund der KrankenhauseinweisungMedizinisch21 (67,7)13 (92,9)8 (47,1)0,0090/31Chirurgisch10 (32,3)1 (7,1)9 (52,9)––Vigilanz (AVPU)–Wach29 (93,5)13 (92,9)16 (94,1)1,0000/31Reaktion auf Ansprechen0 (0,0)0 (0,0)0 (0,0)Reaktion auf Schmerz0 (0,0)0 (0,0)0 (0,0)Bewusstlos2 (6,5)1 (7,1)1 (5,9)Brustschmerzen10 (32,3)6 (42,9)4 (23,5)0,441–Sauerstoffgabe4 (12,9)2 (14,3)2 (11,8)1,000–Herzrhythmus–Sinusrhythmus9 (60,0)5 (100,0)4 (40,0)0,11716/31Schrittmacherrhythmus4 (26,7)0 (0,0)4 (40,0)Vorhofflimmern2 (13,3)0 (0,0)2 (20,0)Vital- und LaborparameterKörpertemperatur (°C)36,7 ± 0,536,6 ± 1,036,7 ± 0,60,78817/31Herzfrequenz (Schläge/min)74 ± 20,965 ± 14,080 ± 22,90,0978/31Sauerstoffsättigung (%)95,5 ± 2,496,0 ± 2,895,3 ± 2,50,76123/31Blutdruck, systolisch (mm Hg)129 ± 22,6131 ± 17,4128 ± 26,80,7095/31Blutdruck, diastolisch (mm Hg)72 ± 13,577 ± 12,167 ± 13,40,0585/31Blutdruck, MAD (mm Hg)91 ± 14,397 ± 13,185 ± 13,40,0305/31Letzter Hämoglobinwert (g/l)124 (69–172)143 (103–158)110 (69–172)0,0173/31Erster Hämoglobinwert bei ICU Aufnahme (g/l)131 (50–165)144 (93–159)121 (50–165)0,0450/31OHCA „out-of-hospital cardiac arrest“ (präklinischer Herz-Kreislauf-Stillstand), IHCA „in-hospital cardiac arrest“ (innerklinischer Herz-Kreislauf-Stillstand), AVPU „alert, verbal response, painful stimuli, unresponsive“ (Schema zur Vilgilanzbeurteilung), MAD mittlerer arterieller Druck*Daten angegeben als Mittelwert ± Standardabweichung, Median (Minimum bis Maximum) oder Anzahl (n) der Patient:innen (Anteil [%] in Klammern)
Die Daten zu den Vitalparametern werden im Zusatzmaterial online: Tabelle E2 aufgeführt.
Von 31 Patient:innen erlitten 15 (48 %) einen IHCA innerhalb der Kernarbeitszeit (Zusatzmaterial online: Tabelle E3).
Die Ätiologie des IHCA war überwiegend kardial (n = 27, 87 %). In einem Fall wurden respiratorische oder medizinische Gründe und in 3 Fällen sonstige Gründe angegeben. Die Zeiten für die kardiopulmonale Reanimation, die Anzahl der Schocks, die verabreichten Medikamente, die Verwendung von mechanischen Reanimationshilfen und das Atemwegsmanagement sind in im Zusatzmaterial online: Tabelle E3 angeführt.
Lebensqualität nach einem IHCA
Die mittels EQ-5D-5L erhobene gesundheitsbezogene Lebensqualität war bei den überlebenden Patient:innen vor und nach dem IHCA vergleichbar (EQ-5D-5L Utilities 0,79 vs. 0,78, p = 0,567) und EQ-5D-5L VAS-Score (Tab. 4). Eine Verbesserung der Lebensqualität nach dem IHCA war mit einer chirurgischen Aufnahmediagnose assoziiert (p = 0,009; Tab. 3). Die Daten zur Versorgung nach IHCA sind im Zusatzmaterial online: Tabellen E3 und E4 angegeben.Tab. 4Lebensqualität vor und nach IHCA (n = 31)EQ-5D-5L ModalitätenEQ-5D-5L vor IHCA(n = 31)EQ-5D-5L nach IHCA(n = 31)p-WertFehlende Daten(n/alle)EQ-5D-5L, Nutzwert0,793 ± 0,3120,778 ± 0,2850,5671/31EQ-5D-5L, VAS-Wert68,3 ± 26,767,5 ± 22,40,8961/31EQ-5D-5L VAS-Wert-Kategorie–1/31Unter 7915 (50,0)17 (56,7)Über 8015 (50,0)13 (43,3)Mobilität0,0041/31Keine Probleme14 (46,7)13 (43,3)Leichte Probleme8 (26,7)6 (20,0)Mäßige Probleme4 (13,3)6 (20,0)Große Probleme3 (10,0)5 (16,7)Nicht möglich1 (3,3)0 (0,0)Für sich selbst sorgen0,2481/31Keine Probleme25 (83,3)24 (83,3)Leichte Probleme1 (3,3)0 (0,0)Mäßige Probleme2 (6,7)4 (13,3)Große Probleme1 (3,3)1 (3,3)Nicht möglich1 (3,3)0 (0,0)Schmerzen/körperliche Beschwerden0,1741/31Keine Probleme16 (53,3)11 (36,7)Leichte Probleme7 (23,3)11 (36,7)Mäßige Probleme4 (13,3)4 (13,3)Große Probleme1 (3,3)3 (10,0)Extreme Probleme2 (6,7)1 (3,3)Alltägliche Tätigkeiten0,0561/31Keine Probleme10 (33,3)11 (36,7)Leichte Probleme7 (23,3)5 (16,7)Mäßige Probleme9 (30,0)11 (36,7)Große Probleme2 (6,7)2 (6,7)Nicht möglich2 (6,7)1 (3,3)Angst/Depression0,0391/31Keine Probleme20 (66,7)18 (60,0)Leichte Probleme4 (13,3)4 (13,3)Mäßige Probleme5 (16,7)6 (20,0)Große Probleme1 (3,3)2 (6,7)Extreme Probleme0 (0,0)0 (0,0)IHCA „in-hospital cardiac arrest“ (innerklinischer Herzstillstand), VAS visuelle Analogskala*Daten angegeben als Mittelwert ± Standardabweichung oder Anzahl(n) der Patient/innen (Anteil [%] in Klammern)
Allerdings berichteten die Überlebenden nach dem IHCA vermehrt Probleme hinsichtlich Mobilität und zeigten erhöhte Angst- und Depressionswerte. Der Vergleich aller EQ-5D-5L-Modalitäten ist im Zusatzmaterial online: Abb. E1–E5 dargestellt.
Diskussion
In dieser prospektiven Erhebung der Lebensqualität zeigte sich bei 31 Überlebenden eines IHCA eine durchwegs gute gesundheitsbezogene Lebensqualität vor und nach dem IHCA. Interessanterweise berichteten die Überlebenden nach dem IHCA über eine eingeschränkte Mobilität sowie über verstärkte Ängste und Depressionen. Dies steht im Gegensatz zu einer rezenten schwedischen Arbeit, die zwar eine eingeschränkte Mobilität bestätigen, jedoch keine verstärkte Angst nach IHCA zeigen konnten [31].
Unsere Überlebensrate von 9 % in 11 Jahren ist im Vergleich zu neueren Metaanalysen mit gepoolten Überlebensraten zwischen 13 % (95 %-KI 6–29 %) und 15 % (95 %-KI 12–18 %) niedriger [11, 29]. Ursächlich dafür könnte der hohe Anteil schwer kranker Patient:innen mit SAPS III Scores > 50 in der vorliegenden Kohorte sein. Dies gilt insbesondere, da Alter und Komorbiditäten wie eine schwer ausgeprägte COPD, eine zirrhotische Lebererkrankung, eine chronische Nierenerkrankung und eine Herzinsuffizienz nachweislich die Überlebensrate verschlechtern [30]. Die oben erwähnten Metaanalysen wiesen jedoch eine recht große statistische Heterogenität auf, wobei eine von ihnen nur über kurzfristige Outcomes wie die Wiedererlangung des Spontankreislaufs (ROSC) und die Entlassung aus dem Krankenhaus berichtete. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Patient:innen mit einem altersangepassten Charlson Comorbidity Index von 5 bis 7 Punkten eine Chance von nur 10 % für das Überleben eines IHCA haben [30]. In unserer Kohorte summierte sich der altersangepasste Charlson Comorbidity Index auf ähnliche Werte von 6 Punkten (nichtgezeigte Daten).
Die 30-Tage-Überlebensrate in der oben genannten Studie (24 %) ist vergleichbar mit der vorhergesagten Überlebensrate auf der Intensivstation bei der Berechnung des SAPS III Scores bei unseren Patient:innen. Unsere Sterblichkeitsrate von 10 % an einem Stichtag entspricht klarerweise nicht der Mortalität auf der Intensivstation oder nach einem Jahr.
Da die Lebensqualität zur Prognoseabschätzung nach einem IHCA immer wichtiger wird, könnte die bloße Betrachtung der Überlebenden die individuellen Auswirkungen eines IHCA unterschätzen. Eine kürzlich durchgeführte schwedische Studie mit 1278 IHCA-Überlebenden bestätigte eine gute Lebensqualität i. Allg. und zeigte eine Verschlechterung der Lebensqualität mit zunehmender Anzahl von Komorbiditäten [31]. In unserer Arbeit berichteten die Überlebenden nach einem IHCA vermehrt über Mobilitätsprobleme und zeigten erhöhte Angst- und Depressionswerte, obwohl die Lebensqualität i. Allg. als gut beschrieben wurde. Eine mögliche Erklärung dafür könnten Vorerkrankungen sein, welche nach dem IHCA zu der funktionellen Verschlechterung beitragen. Dies deckt sich z. T. mit der bereits zitierten Arbeit, in der gezeigt wurde, dass Überlebende mit einer oder mehreren Komorbiditäten mehr Schwierigkeiten in der Bewältigung des täglichen Lebens zeigten. Im Gegensatz zu uns konnten Israelsson et al. jedoch nicht mehr Probleme mit Ängsten/Depressionen feststellen [33]. Diese Divergenz der Studienergebnisse könnte z. T. auf eine limitierte Vergleichbarkeit unterschiedlicher Messinstrumente zurückzuführen sein [32–36]. Zudem wurde der EQ-5D-5L weder für Überlebende eines IHCA entwickelt, geschweige denn dafür validiert.
Patient:innen mit einer Abnahme der Lebensqualität wurden häufiger aufgrund kardiologischer Diagnosen (z. B. Myokardinfarkt, Herzrhythmusstörungen usw.) aufgenommen als Patient:innen mit einer Verbesserung in der Lebensqualität. Dieser Unterschied lässt sich durch die komplexen Vorerkrankungen bei den kardiologischen Patient:innen im Vergleich zu chirurgischen Patient:innen erklären. Darüber hinaus wurden zwei Drittel unserer Patient:innen (22, 71 %) ursprünglich wegen einer herzchirurgischen oder kardialen (i. e. nichtchirurgischen Diagnose) vorstellig und repräsentieren die Hauptkategorie der IHCA-Überlebenden. Dieses deckt sich mit der Literatur; Bergum et al. berichteten über kardiale Ursachen für IHCA in 60 % aller Fälle, wobei nichtschockbare Rhythmen in der Studienpopulation dominierten [37].
Die Literatur hinsichtlich gesundheitsbezogener Lebensqualität nach einem IHCA wächst stetig, wobei der Großteil der Daten nach wie vor von Patient:innen mit einem OHCA stammt. In Übereinstimmung mit dieser Arbeit zeigte eine aktuelle finnische Arbeit die Erhaltung einer guten Lebensqualität nach IHCA. Diese Patient:innen berichteten über eine etwas höhere Lebensqualität nach dem IHCA. Diese könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Werte des Charlson Comorbidity Index niedriger waren als in unserer Kohorte. Zudem erlitt in der finnischen Arbeit nur ein Drittel der 55 Patient:innen einen IHCA, der Rest einen OHCA [38]. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Patient:innen mit Kammerflimmern als Initialrhythmus im Fall eines OHCA die besten Überlebenschancen und ein gutes Outcome haben [39]. Dies deckt sich mit den jüngsten Arbeiten zum IHCA [39]. Im Gegensatz dazu fanden wir keine Unterschiede in der Lebensqualität in Abhängigkeit vom Initialrhythmus.
Risikofaktoren für ein schlechteres Outcome oder Prädiktoren für einen IHCA konnten in dieser Studie nicht detektiert werden.
Limitationen
Aufgrund fehlender Follow-up-Daten konnte keine Ein-Jahres-Mortalität berechnet werden. Die nach Stichtag berechnete Mortalität könnte somit Patient:innen verpasst haben, die zwar den IHCA ein Jahr, aber nicht bis zum Stichtag überlebt haben. Weiters könnten Patient:innen übersehen worden sein, die aufgrund einer stark eingeschränkten Lebensqualität nicht in der Lage waren, den Fragebogen zu beantworten. Dies könnte zu einer Überschätzung der Lebensqualität geführt haben. Darüber hinaus ist es schwierig, die IHCA-bedingte Lebensqualität von einer potenziellen Einschränkung der Lebensqualität aufgrund der Grunderkrankung zu unterscheiden. Auch wird das medizinische Notfallteam kaum zu Patient:innen mit HKS alarmiert, die in den Notaufnahmen, Intensivstationen und den OPs auftreten. Dies könnte die tatsächliche Inzidenz der IHCA verringert haben.
Schlussfolgerungen
Trotz den Errungenschaften der modernen Medizin überlebten in den letzten 11 Jahren am Universitätsklinikum der Medizinischen Universität Innsbruck nur 1 von 10 Patient:innen einen IHCA. Die Überlebenden wiesen eine Einschränkung der Mobilität sowie erhöhte Angst- und Depressionswerte auf. Gleichzeitig wurde die Lebensqualität jedoch insgesamt noch als sehr gut empfunden. Da keine prädiktiven Faktoren für einen IHCA identifiziert werden konnten, gilt aktuell der Fokus auf den veränderbaren Elemente in der Überlebenskette eines IHCA: frühzeitige Erkennung, rasche Aktivierung des Notfallteams und hochqualitative Wiederbelebung. Um die Überlebensrate nach einem IHCA zu steigern, bedarf es einer effektiven Prävention. Zukünftige Studien sollten mit größerem Stichprobenumfang potenziell modifizierbare Faktoren erheben. Darüber hinaus müssen zur Abschätzung der Folgen eines IHCA verfügbare Instrumente zur Bewertung der Lebensqualität angepasst werden.
Fazit für die Praxis
Trotz der Errungenschaften der modernen Medizin überlebten nur 1 von 10 Patient:innen einen IHCA. Die Überlebenden wiesen eine Einschränkung der Mobilität sowie verstärkte Angstzustände und Depressionen auf. Die Lebensqualität der IHCA-Überlebenden war vor und nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand vergleichbar gut.
Künftige Studien mit größeren Patientenstichproben sollten sich auf potenziell modifizierbare Faktoren, die die Folgen eines IHCA verhindern und begrenzen können, konzentrieren. Darüber hinaus sollte die Forschung über die Folgen eines IHCA die verfügbaren Instrumente zur Bewertung der Lebensqualität einbeziehen.
Supplementary Information
Tabellen Tabelle E1. STROBE Statement – Checkliste der Punkte, die in Berichten über Beobachtungsstudien enthalten sein sollten; Tabelle E2. Vitalwerte der Patient:innen 1 und 2 Tage vor IHCA (n = 31); Tabelle E3. Reanimationsdaten der Studienpopulation (n=31); Tabelle E4. Post-Reanimationsversorgung der Studienpopulation (n=31); Tabelle E5. Daten der Studienpopulation während der Intensivbehandlung (n=31); Abbildung E1. Lebensqualität vor (rot) and nach IHCA (blau): Mobilität; Abbildung E2. Lebensqualität vor (rot) and nach IHCA (blau): Selbstfürsorge; Abbildung E3. Lebensqualität vor (rot) and nach IHCA (blau): Schmerzen und körperliche Beschwerden; Abbildung E4. Lebensqualität vor (rot) and nach IHCA (blau): Alltägliche Tätigkeiten; Abbildung E5. Lebensqualität vor (rot) and nach IHCA (blau): Angst und Niedergeschlagenheit.
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